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Schlafen kann ich, wenn ich tot bin

Pat Metheny

7000 Gigs, 16 Grammies, 200 Kompositionen in knapp 30 Jahren. Auf all das setzt die Band des unermüdlichen Gitarristen Pat Metheny nun noch ein Über-Opus drauf. Klaus von Seckendorff sprach mit dem Unermüdlichen.

RONDO: Ist „The Way Up“ mehr als schlicht das zwölfte Studioalbum in 27 Jahren Pat Metheny Group?

Pat Metheny: Es ist das wohl ambitionierteste Projekt, das wir je aufgenommen haben, keine Suite, sondern ein einziges 68 Minuten langes Stück. Dass wir es für die CD in vier Portionen aufgeteilt haben, ist ein Zugeständnis an die Hörer. Sie sollen nicht ewig „fast forward“ drücken müssen, wenn sie gezielt das Ende hören wollen.

RONDO: Schon in den ersten drei Minuten passiert ungeheuer viel. Wie nimmt man ein so komplexes Werk auf?

Metheny: Als wir ins Studio gingen, war alle Musik von Lyle und mir geschrieben. Wir hatten ein Skript, ähnlich wie ein Drehbuch beim Film. So wie dort Szenen mit gleichem Schauplatz hintereinanderweg gedreht werden, haben wir Passagen mit ähnlicher Sound-Landschaft zusammengezogen.

RONDO: Was war sonst noch ungewöhnlich?

Metheny: Dass die Gitarren vor allem eine orchestrale Rolle spielen. Normalerweise übernehme ich als Gitarrist bei der Pat Metheny Group die Rolle, die in anderen Bands ein Sänger hat. Diesmal wollten wir im Studio die Möglichkeiten des Mehrspurverfahrens optimal nutzen, um mit unterschiedlichen Gitarren bestimmte Sounds zu erzeugen.

RONDO: Und live wird die Pat Metheny Group ab Februar als „Gitarrenorchester“ auftreten?

Metheny: Wir werden mit Sicherheit einen zweiten Gitarristen brauchen. Außerdem wird jedes Bandmitglied, das irgendwie ein bisschen Gitarre spielen kann, entsprechend eingesetzt werden. Sogar wenn jemand nur „bläng“ macht (schrubbt mit dem Daumen über imaginäre Saiten), hilft das weiter.

RONDO: „The Way Up“ ist die erste Platte für das Nonesuch-Label. Wird dort auch der Back-Katalog erhältlich sein?

Metheny: Ja, alle Platten ab 1985. Als ich ECM nach neun Jahren 1984 verließ, eröffnete ich meinen eigenen Laden, die Metheny Group Productions, um Platten ganz nach meinen eigenen Vorstellungen machen zu können. Wir haben die Lizenzen für unsere Produktionen an verschiedene Firmen vergeben: erst Geffen, dann Warner Brothers und jetzt Nonesuch. Die Verträge gelten immer nur begrenzte Zeit.

RONDO: Was wird als erstes Album wieder veröffentlicht?

Metheny: „Song X“ mit Ornette Coleman. Damals, im Jahr 1985, war das ein reines Vinyl-Produkt. Du konntest nur 48 Minuten auf so eine Platte packen. Wir hatten aber zweieinhalb Stunden Musik. Dieses Material gehe ich nun durch für eine um rund 20 Minuten längere „extended version“. Wir werden alles neu abmischen, nach digitalem Standard. Irgendetwas hat mich immer gestört, bei dieser musikalisch ergiebigen Platte. Sie hat sich einfach nicht gut angehört.

RONDO: Wer hört sich denn derzeit besonders gut an für dich?

Metheny: Der Trompeter Till Brönner. Oder Nils Landgren. Und ich bin ein großer Fan des Esbjörn Svensson Trios. Ihr Erfolg erfüllt mich mit einem gewissen Stolz, denn ich weiß, dass die sich die Musik der Pat Metheny Group genau angehört haben. Auf sehr gute Weise: Sie haben etwas ganz Eigenes entwickelt, das zugleich viel mit dem zu tun hat, was wir zu erreichen versuchen. Ich spiele gerne mit ihnen auf der Bühne, wann immer sich die Gelegenheit bietet und würde auch ins Studio gehen.

RONDO: 2002 in Polen, 2003 mit Brönner, Landgren und E.S.T. in Salzau, 2004 bei Flamenco-Musikern in Spanien. Du bist nicht nur ständig auf Tour, sondern zusätzlich bei zahllosen Projekten engagiert. Und wenn du zu Hause bist, warten zwei kleine Kinder auf dich. Wie viele Stunden hat eigentlich ein Metheny-Tag?

Metheny: Ich lebe nach dem Prinzip „Zum Schlafen wird Zeit sein, wenn ich tot bin“.

Neu erschienen:

The Way Up

Pat Metheny Group

Warner

Klaus von Seckendorff, RONDO Ausgabe 1 / 2005



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