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Länger singen ohne Callas

Als Elena Souliotis im Jahre 1943 das Licht der Welt erblickte, waren ihre beiden fast eine Generation älteren Kolleginnen Renata Tebaldi (geb. 1922) und Victoria de los Angeles (geb. 1923) schon geachtete Sängerinnen auf dem Weg zur großen Karriere. Dennoch hatte die Nachzüglerin dieses Diven- Trios bereits Ende der Sechziger-Jahre ihre stimmlichen Reserven verbraucht: Mit der Etikettierung als Callas- Nachfolgerin hatte die Öffentlichkeit ihr keinen guten Dienst erwiesen. Die Tebaldi bewies als angebliche Callas-Gegenspielerin weitaus mehr Standvermögen, doch auch sie verabschiedete sich schon Mitte der Siebziger- Jahre aus der Öffentlichkeit. Am längsten blieb der Gesang der spanischen Nachtigall Victoria de los Angeles eine Freude: Sie konnte sich selbst Anfang der Neunziger noch hören lassen, obwohl auch sie in der Wahl ihrer Partien nicht selten ein wenig zu hoch gegriffen hatte. Nah beieinander liegende Todesdaten im Dezember 2004 und Januar 2005 riefen die drei Künstlerinnen nun gemeinsam zurück ins Gedächtnis des Klassikpublikums.

Michael Wersin, RONDO Ausgabe 1 / 2005



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