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Hier irrte Goethe

Brodsky Quartet

Gediegen, brav und elitär: Dieser Ruf haftet dem Streichquartett seit Haydns Zeiten an. Das Brodsky Quartet beweist, dass dem nicht so sein muss.Gediegen, brav und elitär: Dieser Ruf haftet dem Streichquartett seit Haydns Zeiten an. Das Brodsky Quartet beweist, dass dem nicht so sein muss.

Jazz statt Brahms und Pop statt Mozart – die Formation aus zwei Geigen, einer Bratsche und einem Cello spielt längst alles, was die Hitparade vormacht. Selten gelingt es einer Formation, auf beiden Gebieten zu bestehen – exzellent Schönberg oder Beethoven zu spielen und auch noch den eigenen Weg im so genannten „Crossover“ zu finden. Eine rühmliche Ausnahme ist das Brodsky Quartet, mit dem alles eigentlich ganz klassisch anfing. 1972 fanden sie sich zum Quartett zusammen, und sie benannten sich nach dem großen Lehrer Adolf Brodsky – seines Zeichens Widmungsträger von Tschaikowskys Violinkonzert. Der alte Brodsky war zwar 1929 gestorben, und lernen konnten die vier jungen Leute von ihm eigentlich nur über dessen Aufnahmen. Aber denen widmeten sie sich intensiv: Anfang der 70er, als es noch kaum Schostakowitsch- Noten im Westen gab, spielten sie zum Beispiel die Streichquartette des großen Russen anhand der Aufnahmen nach, die Brodsky mit seinem eigenen Quartett hinterlassen hatte.
Vielleicht wurde mit diesen unkonventionellen Methoden bereits der Keim dazu gelegt, mit der Quartettbesetzung schon bald ganz unkonventionell umzugehen. Doch neben dem, was in gediegenen Kammermusikführern kommentiert wird, spielt das Quartett längst auch anderes: Elvis Costellos Stimme haben sie in raffiniert arrangiertes Quartettgewand gekleidet, sie haben Dave Brubeck auf dem Programm und können sich für den Ex-Beatle Paul McCartney begeistern. Das Streichquartett als „vernünftiges Gespräch“, wie der Dichterfürst Goethe es uns lehrte? Von wegen! Eher ein Labor für Neues.
Wie die Töne sprudeln die Ideen: 2003 startete das Quartett ein großes Projekt für Jugendliche, an dem sich sechs englische Schulen beteiligten: Die Schüler komponierten, texteten und gestalteten Plakate und so entstanden etwa 100 Songs mit Streichquartettbegleitung, die das Brodsky Quartet auf seine Tour mitnahm und die nun den Großteil des Programms der aktuellen CD „Moodswings“ ausmachen. Hier stehen die Lieder nun neben solchen von und mit Größen wie Costello, Sting, Björk und Meredith Monk – des Streichquartetts neue Heimat …

Neu erschienen:

Moodswings (Elvis Costello, Sting, Björk, Meredith Monk u.a.)

Brodsky Quartet

Brodsky Records/Codaex

Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 2 / 2005



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