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Dann spielt sie halt für sich: Valentina Lisitsa wurde in Toronto "zensiert" (c) Decca/ Alexei Kuznetsoff

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Persona non grata

Die ukrainische Pianistin Valentina Lisitsa, die über das Internet eine erstaunliche Karriere gestartet hat, würde sich dieser Tage sicherlich über andere Schlagzeilen freuen. Etwa zu ihrer gerade veröffentlichten Aufnahme mit Klavierstücken von Philip Glass. Aber die seit zwanzig Jahren in den USA lebende Musikerin ist momentan nicht auf den Feuilleton-Seiten präsent, sondern im Politikteil. Denn Lisitsa hat gerade wegen ihrer kritischen Meinung gegenüber der aktuellen ukrainischen Regierung beim Toronto Symphony Orchestra einen Job verloren. Ursprünglich sollte sie mit dem Orchester das 2. Klavierkonzert von Rachmaninow spielen. Doch Orchestermanager Jeff Melanson war jetzt der Meinung, dass Lisitsa mit ihren ständigen Vorwürfen und Beleidigungen der ukrainischen Politiker und Medien weit übers Ziel hinausgeschossen wäre und sich daher als ernstzunehmende Künstlerin disqualifiziert hätte.
Hinter dieser Begründung vermutet Valentina Lisitsa jedoch nur die halbe Wahrheit. Sie glaubt, dass besonders die einflussreiche ukrainische Gemeinde in Kanada das Orchester zu diesem Schritt genötigt hat. Schließlich bekam sie in den letzten Wochen und Monaten auch von dieser Seite immer wieder heftige Kommentare zu ihren Tweets, mit denen sie auf die katastrophale, ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung in der Ukraine seit den von ihr unterstützten Maidan-Demonstrationen hingewiesen hatte. Als „bezahlte Kreml-Hure“ wurde sie etwa bezeichnet, wie Valentina Lisitsa in ihrer aktuellen Facebook-Replik auf den Rauswurf anmerkt. Auf welcher politischen Seite sie aber nun auch stehen sollte – bei dem lange geplanten Orchesterkonzert hatte sie nicht vor, zwischendurch ein Manifest zu verlesen. „Ich weiß ganz genau zwischen Musik und Politik zu unterscheiden“, so Lisitsa.
Inzwischen hat sich Torontos Orchesterchef Jeff Melanson recht unelegant aus der Affäre gestohlen. Nachdem zunächst ein kanadischer Pianist als Ersatz angekündigt worden war, wurde das Programm nun radikal geändert und auch Rachmaninows 2. Klavierkonzert einfach rausgeschmissen.

Guido Fischer



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