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Janine Jansen

Familien-Band(e)

In einen antiken Polstersessel hingegossen, die Violine am lässig ausgestreckten Arm baumelnd, so kann sich Janine Jansen, Lebensgefährtin des Geigers Julian Rachlin, auch geben. Im wirklichen Leben macht sie jedoch durchaus nicht den Eindruck einer Männer und Geigen mordenden Femme fatale.

Das soll nicht heißen, dass Janine Jansen ihre musikalischen Verehrer nicht auch im wirklichen Leben ein wenig zu provozieren wüsste. So irritierte sie 2003 manche ihrer Fans, als sie für ihr erstes Album vor allem populäre Werke einspielte und dabei weder Ravels Tzigane noch das Hauptthema aus dem Film „Schindler’s List“ ausließ. Doch der Erfolg bei Kritik und Markt gab ihr Recht: Die Debüt- CD brachte Jansen in ihrem Heimatland Auszeichnungen ein und überzeugte auch viele derjenigen, die den populären Werken eher skeptisch gegenüberstanden. Denn zu Janine Jansens Qualitäten gehört es, die große virtuose Geste mit unbefangener Frische und der Fähigkeit zum kammermusikalisch intimen Dialog zu verbinden.
Nun ist Janine Jansen noch einen Schritt weiter gegangen. Ausgerechnet die „Vier Jahreszeiten“ ist Inhalt ihres neuesten Albums. War es etwa sportlicher Ehrgeiz, sich mit der betont farbigen und virtuosen Einspielung zu profilieren? „Nein“, meint Jansen, Ausgangspunkt bei der Einspielung sei es vor allem gewesen, die Konzerte mit solistischer Begleitung aufzuführen, erzählt Janine Jansen. Viele wichtige Aspekte ließen sich bei dieser Art der Aufführung zwanglos verbinden: Zum einen ist da Janine Jansens Liebe zum kammermusikalischen Musizieren. Obwohl sie bereits vor dem Abschluss ihres Studiums am Konservatorium von Utrecht mit so wichtigen Klangkörpern wie dem Amsterdam Concertgebouw konzertierte, pflegt sie intensiv die Kammermusik: Zur Weihnachtszeit lädt sie befreundete Musiker ins heimatliche Utrecht zu einem eigenen Kammermusikfestival ein. Außerdem ist sie schon seit 1998 regelmäßig bei den Spectrum Concerts in Berlin zu Gast: einer kleinen, aber feinen und dazu noch rein privat finanzierten Kammermusikreihe, zu deren Programmen immer auch ausgefallene Werke gehörten. „Es ist wie ein Festival – nur mehrmals im Jahr“, schwärmt Jansen über die Atmosphäre in der kleinen Künstlerfamilie, die sich über die Jahre gebildet hat.
Für ihr Vivaldi-Projekt, mit dem sie ebenfalls in Berlin zu Gast war, hat sie ihre ganz eigene Künstlerfamilie zusammengestellt – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. An Cembalo und Truhenorgel sitzt da zum einen ihr Vater Jan Jansen, der noch heute ihr wichtigster musikalischer Berater ist und mit dem sie, wie sie verrät, noch heute neue Werke durchspielt. Über ihn und weitere Mitglieder ihrer an Musikern reichen Familie, so Jansen, habe sie viel über historische Aufführungspraxis gelernt, die ja überdies eine starke Tradition in den Niederlanden besitze. Aber damit nicht genug: Das Cello streicht Janines Bruder Maarten. Und dann ist da auch noch Julian Rachlin, der wie Jansen zu den interessantesten Talenten ihrer Generation gehört und mit dem sie seit zwei Jahren zusammenlebt. Er wurde kurzerhand in die Familie aufgenommen – allerdings nicht als Geiger, sondern als Bratscher. Und wie immer, wenn Janine Jansen unter Freunden zu ihrem Instrument greift, ist von Unnahbarkeit rein gar nichts zu spüren. Was bleibt, ist die Frage eines Rezensenten, ob man derart rückhaltlos ehrlich geführte musikalische Gespräche überhaupt belauschen darf?

Neu erschienen:

Vivaldi

Die vier Jahreszeiten

Janine Jansen, Henk Rubingh, Candida Thompson, Jan & Maarten Jansen, Elizabeth Kenny, Stacey Watton, Julian Rachlin

Decca/Universal

Carsten Niemann, RONDO Ausgabe 3 / 2005



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