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Cuarteto Casals (c) Molina Visuals

Café Imperial

Herbe Kritiken musste Edita Gruberova nach ihrer Premiere als „Straniera“ am Theater an der Wien einstecken. Als „Triumph des Willens” wurde ihre Leistung von einem Kollegen apostrophiert – und sie selbst als „Eiserne Lady” der Opernszene. Harte Worte. Wie größenwahnsinnig sich die 68-Jährige mit ihrer geplant letzten Hauptrolle übernommen hat, das konnte ermessen, wer die alternierende Besetzung der Produktion erlebt hat. Selbst Marlis Petersen nämlich, auf der Höhe ihres Könnens, kommt bei der Virtuosa-Rolle der „Fremden” ins Schwitzen. Zur Inszenierung, obwohl Christof Loy das Stück der Gruberova vorgeschlagen hatte (für Zürich), ist dem Regisseur wenig eingefallen. Hauptsächlich eine Holzverschalung, die jeder Gothic-Pizzeria zur Zierde gereichen würde. Wie man hört, hat die Beziehung Gruberovas zu ihrem erklärten „Lieblingsregisseur” durch die Arbeit nachhaltig Schaden gelitten. Obwohl: Nehmt nur die gute Absicht doch für die Tat! Das Werk, einst von Renata Scotto, Montserrat Caballé und Patrizia Ciofi gesungen, ist gar nicht übel. Man muss auch nicht zu anspruchsvoll sein!
In unser bevorzugtes Café Imperial zieht allmählich auch wieder Normalität ein – und mehr Publikum. Auch in diesem Punkt haben wir unsere Ansprüche ein bisschen ermäßigt. Wie sagte schon die große Christa Ludwig sehr realistisch (in diesem Blatt): „Ich mag eigentlich keine Opern, aber ich gehe abends gerne mal weg.“ Das finden wir auch. Deswegen gehen wir am 29. März vom Café Imperial aus direkt zur Premiere der neuen Staatsopern-„ Elektra“ mit Nina Stemme. Am 10. April dann zur „Anna Bolena“ mit Anna Netrebko. Und am 2. Mai zu „Don Pasquale“ mit Juan Diego Flórez. Wir mögen bescheiden sein; nehmen aber stimmlich trotzdem nur das AlAllerteuerste mit. Die interessanteste Wiederentdeckung der Saison folgt danach ab 8. Mai im Theater an der Wien in Gestalt von Darius Milhauds „La mère coupable“. Es ist die dritte Beaumarchais-Vertonung der Spielzeit (nach Paisiellos „Barbier“ und Mozarts „Figaro“). Das Werk folgt dem Stück „L’autre Tartuffe“ und erzählt die Handlung des „Figaro“ zwanzig Jahre später weiter.
Im Musikverein ist das weitaus Interessanteste ein dreitägiges Gastspiel der Tschechischen Philharmonie (mit böhmisch-mährischen Programmen, Dirigent: Jiří Bělohlávek, 19., 21., 22.3.). Das Bayerische Staatsorchester gastiert unter dem anspruchsvollen Kirill Petrenko (20.4., mit Ravel, Hartmann und Berlioz’ unvermeidlicher „Symphonie fantastique“). Von Petrenko wird erzählt, er sei am Tag vor seinem letzten, geplanten Gastspiel bei den Berliner Philharmonikern beim Pförtner des Hauses erschienen und habe dem gesagt, er möge doch kurz oben anrufen und sagen, er komme nicht. Nun, das dürfte den Traum seiner möglichen Rattle-Nachfolge in Berlin zum Zerplatzen bringen. Auch Petrenko, wie wir sehen, ist genügsam geworden. Zurück zum Musikverein. Hier zeigt Anna Prohaska einen Ophelia-Liederabend (23.4.). Daniel Barenboim führt seine Erstbegegnung (!) mit elf Schubert-Sonaten vor, wie auf CD bereits sehr schön nachzuhören (5., 8., 10., 12.5.). Christian Thielemann führt die Staatskapelle Dresden aus (20., 21.5.).
Im Wiener Konzerthaus dürften die Gastspiele des Cuarteto Casals (25., 26.3.) sowie von Robin Ticciati mit dem Scottish Chamber Orchestra (22., 23.3.) einsame Höhepunkte bilden. Ticciati kehrt kurz danach noch einmal zu den Wiener Symphonikern zurück (21., 22.4., mit Christian Tetzlaff beim Schumann-Violinkonzert). Das wird unbescheiden gut. Hoffentlich. Ober, zahlen!

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 2 / 2015



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