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Kehrt der Berliner Philharmonie den Rücken: Sir Simon Rattle (c) Sheila Rock_Warner

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Good Luck!

Paff! Mit diesem Geräusch ist wohl gerade in New York die ganz große Traumblase geplatzt. Denn viele hatten wirklich gehofft, dass Simon Rattle nach seinem Abschied bei den Berliner Philharmonikern vielleicht nach New York kommen würde. Zumal erst kürzlich Alan Gilbert völlig überraschend verkündet hatte, dass er 2017 den Chefposten bei den New Yorker Philharmonikern abgegeben wird. Aber es war eben nur ein schöner Traum.
Jetzt sind also die Fronten – und Rattles Zukunft geklärt: 2017 und damit bereits ein Jahr vor seinem offiziellen Abschied von Berlin wird er im Alter von 62 Jahren das London Symphony Orchestra übernehmen. Für mindestens fünf Jahre will er sich dann um die Geschicke eines Traditionsorchesters kümmern, das er schon 1977 als 22-Jähriger erstmals dirigiert hat und zu dem er seitdem immer wieder zurückgekehrt ist. So dirigierte Rattle es 2012 im Rahmen der Olympischen Sommerspiele in London. Und erst gerade beehrte er die englische Metropole nicht nur mit seinen Berliner Philharmonikern und einem Sibelius-Zyklus. Mit dem LSO gab Rattle ebenfalls Konzerte, mit Werken von Schumann bis Ligeti. Und schon da stand wahrscheinlich zu 99 Prozent fest, dass man sich demnächst wesentlich öfters sehen wird.
Nun verdankt das LSO zwar seinen sehr guten Ruf auch der Kontinuität, mit der Rattles Vorgänger wie Abbado, Colin Davis und zuletzt Valery Gergiev über viele Jahre hinweg den Sound geprägt haben. Aber ob Rattle tatsächlich von einem Weltklasse-Orchester zu einem anderen wechselt, wie er es gerade bei einer Pressekonferenz behauptet hat? Was seine Entscheidung jedenfalls erleichtert haben mag, ist die Gewissheit, endlich wieder intensiv in seiner Heimat arbeiten zu können. Wobei er nicht als „Hohepriester“ agieren, sondern quasi als ein „Evangelist“ etwas bewegen will. Dazu gehören auch musikpädagogische Projekte sowie die Erweiterung des Repertoires. „Ich kann mir keinen besseren und inspirierenden Weg vorstellen, meine nächsten Jahre mit dem LSO als meine musikalische Familie zu verbringen“, so Rattle. So ganz reibungslos wird dieses Engagement aber nicht ablaufen. Denn Rattles erster Wohnsitz soll weiter Berlin sein – was regelmäßiges Hin- und Herjetten bedeutet. Eine noch größere Herausforderung dürfte für ihn aber sein, nicht nur Londons Lokalpolitiker endgültig davon zu überzeugen, dass diese Stadt und dieses Orchester nicht einen schäbigen Konzertsaal wie das Barbican Centre verdient, sondern einen neuen tollen Konzertsaal braucht.

Guido Fischer



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