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Ausgelastet mit dem Nachwuchs: Mirella Freni feierte ihren 80. (c) Joe Nemeth/Commune di Modena

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Eine Stimme wie Balsam - Zum 80. Geburtstag von Mirella Freni

Über das Alter von Frauen zu reden gehört sich zwar nach guter alter Kinderstube nicht. Doch Ausnahmen von der Regel sind dann unbedingt erwünscht, wenn es sich dabei gleich um zwei Jubilare der Extraklasse dreht. Am Sonntag (1. März) feiert die amerikanische Sopranistin Lucine Amara, die über Jahrzehnte zum Hauspersonal der New Yorker MET gehörte, ihren 90. Geburtstag. Zwei Tage zuvor - am 27.2. -, nahm hingegen Mirella Freni wahrscheinlich Körbeweise Glückwünsche zu ihrem 80. Geburtstag entgegen. Und die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ verlieh er ihr gar den hübschen Ehrentitel „Una Ragazzina alla Scala“. Denn wenngleich die aus Modena stammende Sopranistin natürlich auch an der New Yorker MET Triumphe eingefahren hat, ist die Mailänder Scala für sie das Paradies geblieben. Was wenig verwundert: Schließlich hatte sie hier ihren internationalen Durchbruch. 1963 stieg sie unter der Leitung von Herbert von Karajan (den sie wohl wie keinen Zweiten verehrte) und in der legendären Regie von Franco Zeffirelli als „Mimi“ in den Ring und war sofort in aller Munde.
Ein Jahr lernte Freni zwar kurzerhand auch mal die Schattenseiten des Scala-Publikums kennen – als sie für ihre Violetta in Verdis „La Traviata“ gnadenlos ausgebuht wurde. Doch das blieb eine Ausnahme. So feierte Freni als Mimi und in weiteren Paraderollen gerade im italienischen Fach riesige Erfolge. Und natürlich betörte sie mit ihrem unendlich großen, lyrischen und beseelenden Spektrum nicht nur ihre Fans. Sie zog selbst dann alle Blicke auf sich, wenn sie regelmäßig mit der Sängerelite auftrat, zu der u.a. ihr alter Freund Luciano Pavarotti gehörte. Im Gegensatz zu ihrer Kollegin Lucine Amara, die noch mit zarten 87 (!) Jahren konzertant eine Mozart-Arie gesungen hat (und das gar nicht mal schlecht), hat sich La Freni schon lange vom Podium zurückgezogen. Ihrer großen Liebe, der Oper, ist sie aber auf andere Weise treu geblieben: in Modena unterrichtet sie bis heute den Nachwuchs an der von ihr gegründeten Sängerakademie.



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