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Klavierquintett wörtlich

The 5 Browns

Die „Five Browns“ erobern an fünf Klavieren die Musikszene. Das klingt nach Kelly Family am Steinway-Flügel. Stimmt aber nicht: Die fünf Geschwister aus dem gebirgigen Westen der USA bieten Klassik pur in höchst seriösen Transkriptionen.

Wenn man diese fünf jungen Menschen so nebeneinander sieht und nicht weiß, was sie verbindet, kann man lange raten, und kommt doch nicht drauf. Fangen wir mal mit den Namen an: Sie heißen Desirae, Deondra, Gregory, Melody und Ryan. Sie stammen aus den USA – aha, jetzt fällt der Groschen. Sind sie vielleicht die Hauptfiguren einer neuen Daily Soap, die im stinkreichen Hollywood- Milieu von Los Angeles spielt? Falsch: Die zum Anbeißen fotogenen jungen Leute haben nichts mit Film im Sinn, mit Showbusiness allerdings schon. Sie bilden ein Klavierquintett im wörtlichen Sinne – nicht mit Tasteninstrument und vier Streichern wie bei Schumann und Brahms. Die zehn Hände, die 50 Finger bearbeiten tatsächlich simultan fünf Steinways auf der Bühne oder im Studio. Sie spielen gemeinsam, zu zweit oder auch mal alleine eine virtuose „Hummelflug“-Version, Griegs Charakterbild von der „Halle des Bergkönigs“, Dukas’ „Zauberlehrling“, Ravels „La valse“, Stücke von Rachmaninow und Bernstein und vieles mehr.
Dass sie gemeinsam zur klassischen Musik gekommen sind, hat einen ganz einfachen Grund: Sie sind Geschwister. Aufgewachsen in Salt Lake City, haben sie ihre gesamte Kindheit hindurch musiziert, seit ihre Eltern Lisa und Keith Brown irgendwann in den frühen 80ern ein 1000-Dollar-Klavier anschafften, um – wie sie in einem Interview sagten – „ein bisschen Spaß in die Familie zu bringen“. Wer hätte gedacht, wohin das führen würde? Die fünf Sprösslinge, heute zwischen 19 und 26 Jahre alt, begeisterten sich allesamt schon im Kindergartenalter für die schwarz-weißen Tasten, zeigten immenses Talent und besuchten später die New Yorker Juilliard School. Ihre Debüt-CD, die jetzt in Deutschland auf den Markt kommt, sieht auf den ersten Blick nach Crossover aus, aber dieser Eindruck täuscht: Immerhin haben wir es hier mit puristisch klassischen Transkriptionen zu tun, die von den „Fab Five“ mit jugendlichem Elan überzeugend über die Rampe gebracht werden. Nach eigener Aussage möchte das Quintett auch nicht mit der Crossover-Mode in einen Topf geworfen werden. Originalton: „Crossover ist eine Mode. Wir aber sehen uns als Anwälte der Klassik.“

Neu erschienen:

The 5 Browns

RCA/Sony

Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 5 / 2005



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