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Doktor Stradivari

Folge 13: Der angebliche Konzertbesucher

„Ich bin unschuldig. Glauben Sie mir.“ Timo Katenburg, ein junger Mann von Mitte zwanzig, saß zusammengesunken da und starrte vor sich hin. Er trug einen dunklen Anzug mit weißem Hemd und Schlips. Kommissar Reuter lehnte sich zurück. „Zwei aufgebrochene Wagen von Konzertbesuchern in zweihundert Metern Umkreis der Philharmonie. Ganz nach Ihrer Methode, wegen der Sie schon mal in Haft waren. Außerdem haben wir Sie in der Nähe des Tatortes festgenommen. Und Sie leugnen?“
Der junge Mann sah auf. „Ich habe ein Alibi.“ „Und das wäre?“ „Ich war auch im Konzert.“ „Ach, deswegen haben Sie sich so feingemacht?“ „Na klar.“ „Zeigen Sie mir Ihre Eintrittskarte.“ Katenburg hob die Schultern. „Hab ich verloren.“
Reuter warf Dr. Stradivari einen Blick zu. Die Überprüfung von Albis, die mit Musik zu tun hatten, war seine Aufgabe. Gut, dass er zufällig im Präsidium war. „Was für ein Konzert war das denn?“, fragte Dr. Stradivari. Katenburg runzelte die Stirn. „Ein Pianist hat gespielt. Ein Italiener. Ich komme nicht auf den Namen. Aber ich kann Ihnen sagen, welche Werke auf dem Programm standen.“ „Dann lassen Sie mal hören“, sagte der Doktor
„Zuerst war da was von Mozart. Eine Sonate. Dann etwas von Rachmaninow. Ich hab‘s aufgeschrieben.“ Er holte einen Zettel heraus und las ab: „Mozart – Sonate Köchelverzeichnis 521, Rachmaninow – Drei Stücke op. 11. Das heißt, sie heißen nicht Stücke, sondern …“ „Morceaux“, sagte Stradivari.
„Das ist das französische Wort für Stücke“, erklärte er. „Das ist schon alles richtig. Sehr schön, diese Klaviermusik. Der Mozart ebenfalls. Da stimme ich Ihnen zu.“ „Das soll ein Alibi sein?“, brummte Kommissar Reuter. „Was in dem Konzert gespielt wurde, kann er doch sonst wo erfahren haben.“
Der Doktor achtete nicht auf ihn und stellte Katenburg eine weitere Frage. „Wie sah der Pianist aus?“ „Na ja“, sagte Katenburg. „Von meinen Platz aus konnte man nicht so gut sehen. Ein älterer Mann.“ „Das kann er auch auf einem Bild gesehen haben“, warf Reuter ein. „Aber er spielte einfach göttlich“, rief Katenburg. „Das ist doch das Entscheidende.“ „Ich denke, wir sollten das abbrechen“, sagte Reuter.
Dr. Stradivari nickte. „Sehr richtig. Ob Herr Katenburg schuldig ist, weiß ich nicht. Dass er im Konzert war, ist jedoch eine Lüge. Den Anzug trägt er wohl nur, um uns was vorzumachen. Aber ihm ist ein entscheidender Fehler unterlaufen.“ Was macht Stradivari da so sicher?

Doktor Stradivari ermittelt - und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit Inakustik fünf Exemplare des ersten Teils von Artur Pizarros Gesamteinspielung der Klavierwerke Rachmaninows, u. a. mit den Corelli-Variationen op. 42. Einsendeschluss ist der 6. März. Viel Glück!


Auflösung aus Magazin 6/2014:

Wie der Name schon sagt, liegt Torre del Lago an einem kleinen See – den allerdings nur eine schmale Landzunge von der Riviera trennt. So verrät sich Professor Bergius durch die mangelnde Ortskenntnis seiner Reisebeschreibung: Wäre er wirklich von Florenz aus nach Torre del Lago gefahren, wüsste er, dass Puccinis Sommerhaus noch hinter Lucca gelegen ist, direkt am Meer, nicht zwischen beiden Städten, wie er behauptet.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 1 / 2015



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