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Zugabe

Von der Hinterbühne berichtet Robert Fraunholzer.

Die französische Sopranistin Natalie Dessay hat an der New Yorker Metropolitan Opera einen Teil ihrer Gage zurückgezahlt, nachdem sie eine Vorstellung von Verdis »La traviata« nach dem 1. Akt abbrechen musste. Nach Presseberichten in New York hatte sie bereits Noten verkürzt und verschluckt. In der berühmten Arie »Sempre libera« ersparte sie sich das üblicherweise eingefügte hohe Es. In Interviews (auch gegenüber dem Verfasser) hatte Dessay noch kürzlich erklärt, sich mit der Rolle der Traviata einen Lebenstraum erfüllt zu haben. Zugleich hatte sie eingeräumt: »Ich bin keine Traviata.« In New York wurde sie (bei laufender Vorstellung) durch die koreanische Sopranistin Hei-Kyung Hong ersetzt.
Bei der amerikanischen Geigerin Sarah Chang ist bei der Einreise nach Moskau der Pass vorübergehend konfisziert worden. Während sie ohne Reisedokumente auf dem Flughafen ausharren musste, twitterte sie sich den Ärger vom Leib. Wie sich herausstellte, hatte auf dem Reisedokument der Buchstabe »F« für die Zuweisung der Geschlechtszugehörigkeit gefehlt. Mit Hilfe ihrer Agentur und des lokalen Konzertveranstalters gelang es schließlich, die Frage zu klären. Ob der Vorfall im Zusammenhang steht mit der Frage eines aufdringlichen Fans einige Tage später auf einem anderen Flughafen, ob es sich bei der Frisur von Sarah Chang um Haarverlängerungen handelt, ist nicht geklärt. Sarah Chang, wie auf Twitter nachzulesen, ließ die Fragerin angeblich sogar kräftig ziehen, um letztendliche Klarheit zu schaffen. Damit sollten auch sämtliche Gender-Zweifel bezüglich Sarah ein für alle Male zerstreut sein.
Der Sturz von Kurt Masur bei einem Konzert mit dem Orchestre National de France in Paris scheint dramatischer verlaufen zu sein als zunächst angenommen. Der 84-Jährige stürzte während des Dirigierens zunächst über das Treppchen seines Dirigenten-Podiums – und sodann ins Publikum. Masur wurde vom Théâtre des Champs-Élysées sofort ins Krankenhaus gebracht. Er leidet ohnehin an Parkinson.
Tenor Waldemar Kmentt, eines der letzten Urgesteine des Wiener Mozart-Ensembles, hat seine länger als 50 Jahre dauernde Karriere mit Hilfe eines Gesangs- Tricks vollbracht. Wenn er eine für ihn fast zu schwere Partie wie etwa Walther von Stolzing in den »Meistersingern« gesungen hatte, so kontrollierte er nach jeder Vorstellung in der Garderobe sofort, ob er noch in der Lage sei, ein schön klingendes »Dalla sua pace« (aus Mozarts »Don Giovanni«) zustande zu kriegen. Wenn nicht, so habe er die Rolle sofort abgegeben. Dass sich heutige Tenöre wie etwa Jonas Kaufmann, so der 83-Jährige in Wien, an derlei Regeln nicht halten, das könne er durch bloßes Zuhören erkennen.
Mezzo-Sopranistin Grace Bumbry (75) ist fünfzehn Jahre nach ihrem Gesangsabschied auf die Bühne zurückgekehrt. »Mein Abschied war voreilig und unüberlegt«, erklärte die Amerikanerin in Berlin, wo sie bei einer konzertanten Aufführung von Leonard Bernsteins »Candide« die Old Lady sang. Weitere Auftritte als Gräfin in »Pique Dame« sind bereits geplant – an der Wiener Staatsoper.
Die Tochter von Andris Nelsons, der unlängst Vater geworden ist, verträgt sich mit dem kleinen Hund der Familie nach Angaben des lettischen Dirigenten »bestens«. So sagte er bei einem Gespräch in Riga. Während er bislang von Reisen stets ein kleines Kuscheltier für den Hund Anton mitgebracht hat, dürfte der hauptsächliche Unterschied inzwischen darin bestehen, dass jetzt zwei Kuscheltiere fällig sind. Kuscheltier-Spenden, die nach Konzerten mit Andris Nelsons auf die Bühne geworfen werden, sind gewiss willkommen!
Der deutsche Tenor Daniel Behle (37) lässt sich noch immer von seiner Mutter, der Sopranistin Renate Behle, coachen. »Sie reist jedes Mal zu den Endproben an«, so der in Basel lebende Behle. Seine Mutter hatte die Stimme des Sohnes sowohl entdeckt wie auch ausgebildet. Die beiden planen sogar ein gemeinsames Album. Aufgepasst, Björn Casapietra! Die Konkurrenz schläft nicht.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2012



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