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Rückenstärkung: Frank Peter Zimmermann liebt sein Leih-Instrument (c) Harald Hoffmann/hänssler CLASSIC

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Scheidung in Sicht?

Im November schauten die Kunstszene und der Finanzminister von NRW gebannt nach New York. Denn bei Christie´s kamen zwei Bilder von Pop-Ikone Andy Warhol unter den Hammer, die bis dato im Besitz eines landeseigenen Casino-Betreibers waren. Für 150 Millionen Dollar wurden die Werke versteigert, eine ordentliche Summe, die man gut bei anderen, finanziell angeschlagenen Projekten gebrauchen kann. War im Vorfeld Protest gegen diesen Ausverkauf von solchen Kunstschätzen laut geworden, kommt es gerade wieder zu ähnlichen Reaktionen. Denn die Nachfolgerin der inzwischen aufgelösten WestLB sitzt nicht nur auf Hunderten wertvoller Kunstwerke, die man jetzt peu à peu auf den Markt bringen will, um Schulden abzubauen. Auch wertvolle Instrumente befinden sich unter diesen Landesbesitztümern, wie beispielsweise eine Stradivari mit dem schönen Namen „Lady Inchiquin“.
Glücklicherweise fristete die Lady jedoch kein einsames und stummes Dasein in irgendeinem Tresor. Vielmehr gehörte sie seit 2002 – wenngleich nur auf Leihbasis – dem deutschen Stargeiger Frank Peter Zimmermann. „Viele Jahrzehnte war ich auf der Suche nach einem für mich idealen Instrument“, so der gebürtige Duisburger und Wahl-Kölner einmal in einem Interview. „Mit der Lady Inchiquin, die ich seit 2002 spiele, habe ich es gefunden. Sie ist die große Liebe meines Lebens. Sie ist ein Teil meiner selbst geworden. Ich kann mir ein künstlerisches Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.“ Nun aber wird es tatsächlich nicht ganz unwahrscheinlich sein, dass Zimmermann sich bald nach einer neuen Partnerin umsehen muss. Denn sollte das millionenschwere Instrument einen Käufer finden (was kein Problem sein wird), ist nicht gesagt, dass dieser Investor gleich auch noch ein Musikliebhaber und vor allem ein Zimmermann-Fan ist. Drücken wir also dafür die Daumen…
Ein Kollege von Zimmermann, der ebenfalls eine Stradivari spielt, hat dagegen ein anderes Problem. Der Grieche Leonidas Kavakos verklagte gerade einen kalifornischen Edelgeigenbauer auf Schadenersatz von 80.000 Dollar, weil dieser in einem Moment der Ungeschicklichkeit den französischen Bogen des Geigers einfach zerbrochen hat. Doch im Gegensatz zum Instrument bei Zimmermann hängt das Künstlerleben eines Weltklassegeigers wie Kavakos wohl kaum von so einem Holzstab mit ein paar Rosshaaren ab.

Guido Fischer



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