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Doktor Stradivari

Folge 12: Das Puccini-Alibi

Als Dr. Stradivari ins Präsidium kam, erwartete ihn ein gut gekleideter Herr mit graumeliertem Haar, der sich mit Kommissar Reuter gerade ein heftiges Wortgefecht lieferte. „Das lass ich mir nicht gefallen“, schrie er. „Ich werde mich beim Polizeipräsidenten beschweren. Das wird ein Nachspiel haben.“ Reuter ging mit Dr. Stradivari auf den Flur. „Das ist Herr Professor Bergius“, sagte er. „Er ist dringend verdächtig, seine Frau ermordet zu haben. Alle Indizien stimmen. Aber er behauptet, er sei am besagten Tag ohne seine Frau in der Toskana gewesen.“ „Das muss er doch belegen können.“
Reuter hob die Schultern. „Seine Alibis reichen nur bis zum Tag zuvor. Am Tag, als seine Frau erschlagen wurde, ist er angeblich auf der Rückreise gewesen. Er sagt, er habe mittags noch ein Puccini-Museum besichtigt. Aber er hat keine Eintrittskarte, kein Foto. Gar nichts.“
Etwas später hatte sich der Verdächtige wieder beruhigt. „Ich wollte unbedingt noch das berühmte Sommerhaus von Puccini besichtigen. Es liegt bekanntlich zwischen Lucca und Florenz in Torre del Lago – direkt an einem herrlichen See. Puccini hat dort komponiert, und er ist auf die Jagd gegangen. Ich habe es vormittags besichtigt und bin dann über Lucca mit dem Wagen zurück nach Deutschland gefahren. Spät nachts kam ich an. Und ich war es doch auch, der meine Frau dann fand.“
„Wie hat Ihnen Puccinis Sommerhaus denn gefallen?“, fragte Dr. Stradivari. „Haben Sie auch den großen Flügel im Arbeitszimmer gesehen?“ „Sie wollen mich hereinlegen“, sagte Bergius. „Da steht kein Flügel, sondern ein Klavier. Und ich fand es sehr interessant. Vor allem das Waffenzimmer, wo man die Gewehre besichtigen kann, die Puccini benutzte. Seltsam, dass ein so sensibler Komponist einem so brutalen Hobby frönte. Auch die Faksimiles der Handschriften in den Vitrinen haben mir gefallen.“
„Wo waren Sie denn, bevor Sie Torre del Lago besuchten?“, fragte Dr. Stradivari. „Ich kam von Florenz, machte dann an dem See mit dem Sommerhaus Halt. Dann fuhr ich weiter Richtung Küste, aß noch in Lucca zu Mittag und machte mich auf den Weg nach Deutschland. Leider habe ich auch von dem Essen keinen Beleg.“
„Der ist auch nicht nötig“, sagte Dr. Stradivari. „In der Sache mit dem Flügel haben Sie recht. Das war wirklich eine Fangfrage. Ich bin aber sicher, dass Sie das Puccini-Museum nicht besucht haben.“ Wie kommt Doktor Stradivari darauf?

www.oliverbuslau.de

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

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Auflösung aus Magazin 5/2014:

Die Überführung des vermutlichen Instrumentendealers war für Stradivari so einfach wie zwingend. Zwar konnte dieser sich zu Recht auf die Uraufführung des „Till Eulenspiegel“ durch das Kölner Gürzenich-Orchester unter Franz Wüllner berufen, aber selbst falls sein Urgroßvater wirklich mit von der Partie gewesen sein sollte – Harfenist war er sicher nicht. Denn eine Harfenpartie hat Richard Strauss für den „Till“ nicht komponiert.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 6 / 2014



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