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Lang Lang

Vom Profi lernen

Der chinesische Pianistenstar nimmt mit eigenen Übungsheften die Ausbildung des Nachwuchses in die Hand: Das geht doch spielend!

"Sei immer vorbereitet! Beginne nie mit einem Stück, ohne zu überlegen! Schultern, Nacken, Arme, Handgelenke und Finger müssen entspannt sein.“ So klingen die Tipps, die Lang Lang seinen jungen Kollegen mit auf den Weg gibt. Denn der vor einem Jahr zum UN-Friedensbotschafter für „Global Education“ ernannte Pianist nimmt seinen Auftrag ernst und lässt gerade ein lückenloses Ausbildungsprogramm entstehen. Die nun bei Faber Music London und – für den deutschsprachigen Raum – bei Edition Peters erscheinenden Übungsbände sind die ersten fünf der auf 15 Folgen angelegten Reihe „Mastering The Piano“. Sie richten sich an die fortgeschrittene Elementar- bis Mittelstufe. Die Lang Lang Piano Academy als Stiftung bietet neben zusätzlichem Downloadmaterial auch Workshops, Music Camps und andere Education-Events, wie es heißt. Das klingt nach einer fast beängstigenden Offensive zur Klavierpädagogik.
Sabrina Quintero, die für die Reihe bei Edition Peters verantwortliche Lektorin, will die Bände auch nicht als Ersatz für klassische Klavierschulen verstanden wissen, sondern als kreative Arbeits- und Übungsbände, die sich in den herkömmlichen Unterricht gut integrieren lassen. Der entscheidende Unterschied liegt für sie im persönlichen Ansatz. „Es geht Lang Lang nicht darum, trockene Technik- Übungen zu absolvieren und theoretische Lektionen zu ‚pauken‘, sondern darum, Musik zu machen.“ Die Lektionen, die Notenlesen schon voraussetzen, vermitteln zentrale technische Fertigkeiten wie Fingersatz, Rhythmus, Legatospiel, Pedaltechnik und Phrasierung auf grundlegendem Niveau. Jede Lektion enthält Aufwärmübungen, vorbereitende Etüden und gut ausgewählte Stücke, mehrheitlich aus dem Repertoire der großen Klassiker von Bach bis Bartók, zuweilen erfrischend aufgelockert mit modernen oder jazzigen Stückchen. So findet Schumanns „Von fremden Ländern und Menschen“ in die Nachbarschaft etwa chinesischer Volkslieder. Entscheidend ist für Sabrina Quintero Lang Langs Ansatz, sich die Technik spielend anzueignen. Es geht darum „nicht nur Musik zu spielen (im Sinne von musizieren), sondern auch mit ihr zu spielen und sie zu genießen. Die Schüler werden mit einbezogen und eingeladen, ihre musikalische Vorstellungskraft zu entwickeln.“
Natürlich gibt es dazu jede Menge Tipps zum Vortrag und mentale Hilfestellungen vom Profi, etwa: „Beim Thema Phrasierung stelle ich mir vor, ich unterhalte mich mit einem Freund. Jede Phrase ist ein Satz in diesem Gespräch: Manchmal setzt man in Gedanken ein Komma, weil man noch etwas hinzufügen möchte und manchmal beendet man den Satz, als würde man einen Punkt dahinter machen.“ Dass die Bände schon penetrant auf Lang Lang zugeschnitten sind, woran nicht zu kleinem Teil die Erfolgshoffnung geknüpft sein dürfte, ist Geschmackssache. Quintero betont, dass man sich zwar von der Strahlkraft Lang Langs einen Motivationsschub erhofft, aber „es geht nicht darum, wie Lang Lang zu werden, sondern seinen persönlichen Zugang zum Klavier und zur Welt der Musik zu finden und auf der Reise dorthin von den Erfahrungen eines Pianisten und Lehrers wie Lang Lang zu profitieren.“ Natürlich fehlt aber auch die Diskografie des Künstlers am Ende nicht. Denn Lang Lang ist vor allem ein Profi, was die Selbstvermarktung angeht. Ohne ihm aufrichtiges Interesse an Klavierpädagogik abzusprechen: Er verankert sich ganz nebenbei gleich im Kinderzimmer der Käufer von morgen. Ein Schelm, wer so denkt?
Im Vorwort lässt Lang Lang keinen Zweifel: Es gibt kein Schnellverfahren, ein guter Pianist zu werden, das Zauberwort heißt Üben. Darin ist er sich mit einem anderen, großen Klavierpädagogen einig, der Lebens- und Übungsregeln verfasste: Robert Schumann. Diese enden mit dem Satz: „Es ist des Lernens kein Ende.“ Führt dieser Weg auf die Lang Lang Piano Academy? Bei Schumann klang das verheißungsvoll.

Neu erschienen:

Lang Lang Piano Academy: „Mastering The Piano“, Level 1–5

Edition Peters

Carsten Hinrichs, RONDO Ausgabe 6 / 2014



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