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(c) Christina Canaval

Salzburger Landestheater

Tamino am seidenen Faden

Das „SLT“ hat mit dem örtlichen Marionettentheater Mozarts „Zauberflöte“ herausgebracht – unter der Leitung der designierten Musikdirektorin.

Da scheint sich Intendant Carl Philip von Maldeghem ja einen richtig goldenen Fisch an Land gezogen zu haben. Zwar wird die lettische Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla erst zu Beginn der Spielzeit 2015/16 ihr Amt als neue Musikdirektorin des Salzburger Landestheaters antreten. Aber ihre auch internationalen Vorschusslorbeeren können sich lesen und sehen lassen. Da schwärmte doch erst kürzlich die „Los Angeles Times“ von einem „Kraftpaket“ und „Energiebündel“ – nachdem Gražinytė-Tyla zusammen mit der Los Angeles Philharmonic ihr Debüt in der legendären Hollywood Bowl gegeben hatte.
Das war im August. Und nur wenige Wochen später legte die österreichische „Kronenzeitung“ kräftig nach. So schrieb sie über das erste Dirigat der designierten Salzburger Musikchefin von einer „mittleren Sensation“ und lobte an ihr neben der Impulsivität auch die Kunst, sich so weit zurückzunehmen, um ganz nah am Atem der Sänger zu sein. Auch mit solchen klassischen Tugenden, die eine Opernaufführung erst zu einer musikalisch gelungenen, runden Sache machen, konnte die 28-Jährige direkt beim Saisonstart des Salzburger Landestheaters auftrumpfen.
Das Besondere an der Eröffnungspremiere spielte sich aber nicht nur unter den Händen von Mirga Gražinytė-Tyla im Orchestergraben ab. Auf der Bühne begegneten sich in der Neuinszenierung von Mozarts „Zauberflöte“ nämlich Figuren aus Fleisch, Blut und Holz! Ob Tamino, Pamina oder die Königin der Nacht – jede Hauptperson traf da auf ihr aus weichem Lindenholz gearbeitetes Alter Ego, das kunstvoll über Fäden zum Leben erweckt wurde. Was für eine Idee, um damit die Verstrickungen und Abhängigkeiten in diesem Meisterwerk zu verdeutlichen. „Da gab es für mich kein schöneres Bild als die Marionetten“, so Landestheater-Intendant Carl Philip von Maldeghem, der bei dieser „Zauberflöte“ auch Regie geführt hat. „Sie können sagen: Das ist die Seele; sie können sagen: Das ist der innere Schweinehund. Man kann mit ihnen Dialoge führen, so wie jeder von uns jeden Tag einen Dialog mit sich selber führt. Und wir haben hier versucht, das sichtbar zu machen.“
Diese außergewöhnliche „Zauberflöte“- Welt wurde dank der erneuten Zusammenarbeit mit dem Salzburger Marionettentheater möglich, das eines der ältesten Häuser dieser Art ist. Vor über hundert Jahren lernten hier zum ersten Mal Puppen laufen. Und erst jüngst hat man auch New York mit einer Marionettenversion von Wagners „Ring“ in der Inszenierung von Maldeghem verblüfft. Auch weiterhin soll diese Kooperation zwischen den beiden benachbarten Salzburger Häusern ihren Platz auf dem Spielplan des Landestheaters finden. Darüber hinaus setzt man in dieser Saison die Zusammenarbeit mit dem in Salzburg lebenden ägyptischen Komponisten Hossam Mahmoud fort. So wird im kommenden Mai die bei ihm beauftragte Oper „Tahrir“ uraufgeführt werden, benannt nach dem legendären Tahrirplatz in Kairo. Auch dann wird wieder Mirga Gražinyte-Tyla ihre Ernennung zur GMDin am Pult des Mozarteumorchesters bestätigen können.


Die nächsten Aufführungen der „Zauberflöte“:

Oktober: 19./29.10.
November: 15./18./21./29.11.
Dezember: 11./19./28.12.
Januar: 9./25./28.1.

www.salzburger-landestheater.at


Reinhard Lemelle, RONDO Ausgabe 5 / 2014



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