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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Zum 20-jährigen Geburtstag der Suntory Hall in Tokio hat Claudio Abbado mit dem Lucerne Festival Orchestra ein einwöchiges Gastspiel dort absolviert. Die Ehre einer solch langen Residency wurde bislang noch nicht einmal den Wiener Philharmonikern zuteil. Abbado dürfte in Japan auch gesundheitlich am richtigen Ort gewesen sein. Wie man hört, ernährt er sich nach seiner Magenoperation fast ausschließlich von Bananen, Schokolade – und Sushi (!). Sämtliche Konzerte waren ausverkauft.
Aktuelles Stellengesuch: Marc Minkowski sucht ein neues Orchester. Der Chef der „Musiciens du Louvre“ hat seine größten künstlerischen Erfolge in den letzten Jahren mit Donizetti, Meyerbeer und Bizet verbucht. Daher will er sich verstärkt dem Repertoire der Romantik zuwenden. Leider gilt Minkowski als unleidlich – und persönlich schwierig. Die Verhandlungen mit dem Basler Sinfonieorchester sind vorerst gescheitert.
Karrierekündigungen ohne Bühnenabschied kommen in Mode. Wolfgang Sawallisch hat seinen Rückzug als Dirigent erklärt. Auch Kurt Moll singt nicht mehr. Thomas Quasthoff hat alle Opernengagements abgesagt. Und Anne-Sophie Mutter stellt das Ende ihrer Karriere mit Mitte 40 in Aussicht. Und andernorts? In Japan touren aktuell Ingrid Haebler und Jörg Demus, Kiri Te Kanawa und Kathleen Battle durch die Hallen. Sogar die „3 Great Tenors“ haben in Asien überlebt. Es handelt sich um Vincenzo La Scola, Giuseppe Sabbatini und Neil Shicoff. Also gibt es in der Klassik doch noch etwas zu lachen.
Eine Verfilmung von Sondheims „Sweeney Todd“ sorgt für Aufwind beim Filmmusical. Helena Bonham Carter soll die blutrünstige Pie-Bäckerin Mrs. Lovett spielen – und singen. Da ihr Mann, Tim Burton, Regie führt, steht auch der Hauptdarsteller schon fest: Johnny Depp.
Dagmar Manzel seilt sich mehr und mehr zur Musik ab. Sie hatte bereits als „Großherzogin von Gerolstein“ und in „Sweeney Todd“ Erfolg. Jetzt plant sie ihre erste Rosalinde in der „Fledermaus“. Warum nicht? Schon Wagner meinte: Lieber Schauspieler, die singen können, als Sänger, die spielen können.
Nachdem die Intendantin der Deutschen Oper Berlin, Kirsten Harms, erst den „Idomeneo“-Streit vom Zaun gebrochen und dann die Möglichkeit verschenkt hatte, durch rasche Wiederaufnahme von Hans Neuenfels’ Inszenierung ihr Debakel in einen Triumph zu verwandeln, war jetzt anscheinend auch ihre Liebesmüh’ um Franchettis „Germania“ vergebens. Stümperhafte „Schmonzette“ wird das Stück, „biederstes Erzähltheater“ die Einstandsinszenierung der Intendantin genannt. Wenn kein Wunder geschieht, findet die Berliner Opernkrise demnächst durch einen Machtkollaps im größten der drei Häuser ihren Höhepunkt. Oder sollte das etwa die Lösung sein?
In einer „Tosca“-Aufführung an der Berliner Lindenoper hat der fiese Polizeichef Scarpia erstmals die Oper überlebt. Anstatt von Tosca erstochen zu werden, versagte Carlo Guelfi kurz vorher die Stimme. Und sie blieb weg. Eine Zeit lang spielte man mutig weiter, und nur die Übertitel zeigten an, dass da eigentlich noch Gesang vorgesehen war. Der Vorhang fiel. Wobei sich Scarpia dann für sein Kunststück artig verbeugte und vom Berliner Publikum auch noch mit Bravorufen bedacht wurde. Nach kurzer Unterbrechung fuhr man mit einem konzertanten „Vissi d’arte“ fort und sprang dann gleich in den tragischen dritten Akt. Immerhin: Einer kam durch.
Murray Perahia ist wieder da. Nach einer erneuten gesundheitlichen Krise meldete sich der Pianist jetzt mit Soloauftritten in München, Ludwigshafen und Hamburg zurück. Noch konstatieren die Kritiker technische Probleme (und übermäßigen Pedalgebrauch). Perahia hatte sich vor Jahren an einem Papier geschnitten und musste mehrere Jahre pausieren. Unlängst erzwang ein Rückfall erneut die Unterbrechung seiner Konzerttätigkeit.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2006



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