Startseite · Klartext · Pasticcio

Grund zum Strahlen: Kirill Petrenko (c) WikiCommons

Pasticcio

München strahlt und leuchtet

Was seinen wesentlich prominenteren Vorgängern Zubin Mehta und Kent Nagano nicht geglückt ist, hat dieses 1,60 Meter große Powerpaket aus dem fernen Sibirien in nur einer Spielzeit geschafft. Als Generalmusikdirektor hat Kirill Petrenko die Bayerische Staatsoper in den Umfragehimmel geschossen. In der traditionellen Jahresumfrage des Fachmagazins „Opernwelt“ landete Petrenkos Haus jetzt auf Platz 1. Unter 50 internationalen Opernkritikern waren immerhin (bzw. gerade einmal) acht der Meinung, dass die Bayerische Staatsoper aktuell konkurrenzlos ist und sie deshalb das undotierte PR-Siegel „Opernhaus des Jahres“ verdient. Neben dem „exzellenten musikalischen Niveau“ sowie „der Breite und Qualität des Spielplans“ hob man die „markanten szenischen Handschriften“ heraus, die in den Verantwortungsbereich des Intendanten Nikolaus Bachler fallen. „Kirill Petrenko gibt dem Haus ein musikalisch-geistiges Zentrum“, gab denn Bachler nach der Bekanntgabe des Votums stolz zu Protokoll und verriet zugleich das Erfolgsrezept: „Wir bewegen uns nicht nur in einem bildungsbürgerlichen Raum. Ich glaube, dass wir ein öffentlicher Ort des Diskurses sind. Das Zentrum sind die Oper und die Musik, aber es geht weit darüber hinaus.“
Welche gänzlich abseitigen Wege dabei in der vergangenen Spielzeit beschritten wurden, konnte man im Frühjahr erleben, als man als Europapremiere die über sechsstündige Video-Oper des amerikanischen Medienkünstlers Matthew Barney zeigte. Doch auch mit „konventionellen“ Operninszenierungen sicherte man sich weitere Auszeichnungen. So leitete der „Dirigent des Jahres“ Petrenko das „Orchester des Jahres“ (das Bayerische Staatsorchester) in Andreas Kriegenburgs Neuinszenierung von Bernd Alois Zimmermanns „Die Soldaten“. Den Titel „Regisseur des Jahres“ holte sich zwar der in Wien und Brüssel erfolgreiche Italiener Romeo Castellucci. Wie aber die „Süddeutsche Zeitung“ gerade ausgeplaudert hat, scheint Bachler mit Castellucci bereits etwas auszuhecken. Will es die Bayerische Staatsoper etwa den Kickern vom FC Bayern gleichtun und zum Seriensieger aufsteigen?

Guido Fischer



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Lombardische Farce

Der Wiener Kulturmanager Alexander Pereira ist nicht gerade für mangelndes Selbstbewusstsein […]
zum Artikel »

Café Imperial

Unser Stammgast im Wiener Musiker-Wohnzimmer

Seit der Rückverwandlung des Theaters an der Wien in ein Opernhaus hat sich der Wiener […]
zum Artikel »




Top