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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Thomas Quasthoff will nun doch wieder Oper singen. Er habe nur deswegen bestehende Kontrakte gelöst, sagte er in Berlin, weil von ihm verlangt wurde, im „Falstaff“ in einen Korb zu springen. Auch der „Rosenkavalier“ unter Franz Welser-Möst habe plötzlich nicht mehr konzertant, sondern halbszenisch aufgeführt werden sollen. Nur deshalb sei er ausgestiegen. Tatsächlich habe er aber jetzt bis auf Weiteres keine Opernangebote. So schaffen missverständliche Aussagen oftmals Fakten. Schon René Kollo musste im Jahr 2000 erfahren, dass seine nur gerüchteweise kolportierte Rücktrittsabsicht als Heldentenor das wirkliche Ende seiner Karriere besiegelte. Weitere Angebote blieben aus. Kollo selbst hätte gern weitergemacht.
Eng wird es für Franz Welser-Möst in Wien. Der österreichische Dirigent wurde bislang als möglicher Nachfolger von Ioan Holender als neuer Staatsoperndirektor gehandelt. Jetzt ist er, wie man hört, gegenüber Christian Thiele mann abgeschlagen. Wie sich an der Wiener Staatsoper die Teutonenfront zugunsten Thielemanns formieren konnte, fragt man sich erstaunt. Ist Berlin so weit weg? Dort hat man die schlechten Erfahrungen mit Thielemanns mangelnder Opernpräsenz noch nicht vergessen. Wien hingegen gilt als anspruchsvoll. Hier geriet man sogar mit Böhm, Karajan und Maazel aneinander, weil die ihre Jobs zu locker sahen. Sollte Thielemann trotzdem gewählt werden – selbst Schuld.
Nicht lassen kann es Plácido Domingo. Sein Partienregister von aktuell 124 Opernrollen soll demnächst offensiv erweitert werden. Wohin bloß? Nachdem auch das Baritonfach vor ihm nicht mehr sicher ist, kann sich der 66-Jährige nur noch einen neuen Repertoirebereich erobern: Alte Musik! Folgerichtig plant Domingo Monteverdis „Ulisse“, wie er in Hamburg sagte. Angeblich soll auch Orest in Glucks „Iphigénie en Tauride“ folgen. Schon in diesem Jahr aber will Domingo in „Tamerlano“ in Madrid singen. „Die erste echte Tenorrolle der Operngeschichte“, so Domingo über die Rolle des Tartarengefangenen Bajazet. Spezialisten, aufgepasst! Nach den Wagnerhelden macht Domingo euch nun die Rollen streitig.
War Richard Wagner ein Transvestit? Das in den USA neu erscheinende „Wagner Journal“ hat einen bislang unveröffentlichten Brief des Meisters vom Januar 1874 publiziert. Darin bestellt Wagner bei einem Mailänder Schneider etwas Elegantes für den Abend daheim. Er habe etwas mit hochgeschlossenem Mieder und Spitzenkragen gewünscht. Das Kleid habe von einiger Größe sein müssen – mit einer Schleife vorne und einer Schleppe hinten. War die Bestellung für Wagner selbst? Seine Schwäche für Satin und Seidenunterwäsche ist seit Langem bekannt. Auch Berichte, wonach sich Wagner 1864 seinen Gläubigern in Frauenkleidern entzog, sind nicht neu. Aus der Tatsache, dass Cosima die Ankunft der Mailänder Kleider im Tagebuch nicht verzeichnet, schließt man, die Sachen seien für ihren Mann bestimmt gewesen. Wüsste man wenigstens die Größe, so besäße man Klarheit. Da Wagner viel kleiner war als seine Frau, konnte er sich an deren Kleiderschrank nicht bedienen.
Die Sopranistin Edita Gruberova und der Dirigent Friedrich Haider haben sich getrennt.
Neuigkeiten von Alberto Vilar. Wie die „New York Post“ berichtet, beklagt sich der „frühere Phi lanthrop und Opernliebhaber“ über Ein samkeit während seines Hausarrestes in New York. Vilar ist seit Juni 2005 gegen eine Kaution von 10 Mil lionen Dollar an seine Wohnung gebunden. Er wartet auf seinen Prozess wegen Betrugs und Geldwäsche. Die 1000-qm-Maisonette im United Nations Plaza wird ihm nun zu eng. Er wünscht sich mehr Freizeit mit seiner Lebensgefährtin, darf aber die Wohnung nur eineinhalb Stunden pro Woche verlassen. Außer zum Arzt, zum Rechtsanwalt und zur Kirche.
Dirigent Nikolaus Harnoncourt war seit 30 Jahren nicht mehr im Kino. „Seit es keinen Chaplin mehr gibt, reizt es mich nicht mehr“, sagte er in der Schweiz. Harnoncourt, der an der Zürcher Oper kürzlich seine dritte „Zauberflöte“ dirigierte, bekannte auch, er leide nach jeder Opernvorstellung besonders. „Das fühlt sich an, als wenn man mir die Haut abgezogen hätte.“ Er weigere sich, in dieser Situation mit Menschen zu sprechen, die ernst nehmen könnten, was er sage. „Ich bin sonst gewohnt, manchmal nicht ganz ehrliche Antworten zu geben. Nach Vorstellungen klappt das nicht.“
Furcht vor dem eigenen Jubiläum haben offenbar die Berliner Philharmoniker. Das Orchester, das in diesem Jahr 125 Jahre alt wird, feiert am 1. Mai unter Ausschluss der Öffentlichkeit – nur mit Geladenen. Im Herbst soll eine Kammermusikreihe die kleinen Ensembles würdigen, die aus dem Orchester hervorgegangen sind. Anstatt sich selbst zu feiern, plant man, die (seit sieben Jahren bestehende) Educationabteilung des Hauses der Öffentlichkeit näher vorzustellen. Simon Rattle scheint sich des Jahrestags fast zu schämen. Und setzt damit ein Zeichen für die Verunsicherung im Orchester, das im letzten Jahr wegen des blassen Chefs in die Kritik geraten war.
Tzimon Barto kehrt zurück. Der „Schwarzenegger am Klavier“, wie das Muskelwunder der späten 80er Jahre bespöttelt wurde, hat sein literarisches 4.000-Seiten-Epos „The Stelae“ beendet. Nun hat Barto Freundschaft mit der Schriftstellerin Irene Dische geschlossen (die früher schon Anatol Ugorski glanzvolle Auftritte bescherte). Bartos wunderbares Rameau-Album und eine neue CD mit Ravel-Solostücken zeigen jetzt einen Meister der Zwischen töne und gedeckten Farben. Großer Mann, wun derbar klein! Vielleicht kein Zufall, dass Barto in puncto seines extremen Klaviersubjektivismus einem anderen Klavier schönling von einst nacheifert: Ivo Pogorelich. Auch der überzeugt immer häufiger durch extremistisch- schöne Klavierkunst.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 2 / 2007



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