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Fredrika Stahl

Nirgends zuhaus

Sie ist 22. Sie hat eine junge, anschmiegsame Stimme, und in manche Textzeilen mischt sie einen hellen, hohen Kiekser oder ein winziges Krächzerchen. Ihre Songs hat die Schwedin Fredrika Stahl selbst geschrieben. Sie pendeln zwischen erdenschwer pulsierendem Souljazz und klassischem Swing.

RONDO: Wo würden Sie Ihr Album „Fraction Of You“ in einem CD-Geschäft platzieren?

Fredrika Stahl: Es steht in der Regel in der Rubrik Jazz. Aber eigentlich lässt sich meine Musik nicht kategorisieren.

RONDO: Wie haben Plattenfirmen auf Ihre Musik reagiert?

Stahl: Ablehnend. Zunächst wollte mir keiner einen Vertrag geben, weil sich meine Songs nicht klar definieren lassen. Meine Musik sei unvermarktbar, hieß es.

RONDO: Bis Norah Jones kam ...

Stahl: Sie hat mir die Tür zum Erfolg geöffnet. Als selbst Popfans ihre Alben kauften, war es nicht mehr verpönt, Jazz mit Pop zu vermischen.

RONDO: Einige Leute werden denken: Oje, noch so eine Norah-Jones-Epigonin.

Stahl: Da muss ich widersprechen. Meine Arrangements sind viel stärker im Jazz verwurzelt als ihre. Und natürlich rede ich in meinen Songs über mich, nicht über Norah Jones.

RONDO: Es wundert mich, dass Ihre Lieder so melancholisch sind. Sie leben doch in der Genussstadt Paris.

Stahl: Als Schwedin kann ich das Leben aber nicht so hemmungslos genießen wie die Franzosen. Bei uns ist es sogar verpönt, in der Woche Wein zu trinken. Darüber schüttelt man in Frankreich nur den Kopf.

RONDO: In Ihrer Kindheit sind Sie mit Ihren Eltern zwischen Frankreich und Schweden gependelt. Wo haben Sie sich heimisch gefühlt?

Stahl: Nirgends. Ich war damals entwurzelt, wusste nicht, wo ich hingehöre. Weil wir zu Hause nur Schwedisch sprachen, hatte ich anfangs Schwierigkeiten in der Schule. Aber heute bin ich dankbar, dass ich schon als Mädchen unterschiedliche Kulturen kennen lernte.

RONDO: Können Sie sich überall anpassen?

Stahl: So einfach ist das nicht. Als ich nach dem Abitur allein nach Paris zog, fühlte ich mich einsam. Ich kellnerte, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Trotzdem habe ich nie mein Ziel aus den Augen verloren: Ich wollte Musikerin werden und habe dafür gekämpft.

RONDO: Sie machen Ihrem Namen also alle Ehre?

Stahl: Ich weiß zumindest genau, was ich will, und lasse mich nicht von meinem Weg abbringen. Andererseits bin ich auch ein extremes Sensibelchen.

RONDO: Das behaupten alle Künstler.

Stahl: Fast jeder Kreative pendelt nun einmal zwischen diesen Extremen. Schon als Tänzerin brauchte ich eiserne Disziplin. Ich musste auf der Bühne die Vision eines anderen interpretieren. Weil mich das auf Dauer nicht befriedigt hat, habe ich mich irgendwann für die Musik entschieden. In die Songs kann ich meine Gefühle legen, etwas Eigenes erschaffen.

RONDO: Haben Sie mit dem Gesang Ihre wahre Bestimmung entdeckt?

Stahl: Ich glaube nur bedingt an Schicksal. Einiges ist uns sicher vorherbestimmt, manchmal haben wir einfach Glück. Trotzdem dürfen wir uns nicht zurücklehnen und darauf warten, dass etwas passiert.

RONDO: Braucht jeder einen Plan B, falls er mit einem Projekt scheitert?

Stahl: Über Alternativen nachzudenken, ist nicht verkehrt. Wenn ich mit meiner Musik kein Geld mehr verdienen könnte, würde ich Architektur studieren.

Neu erschienen:

A Fraction Of You

Fredrika Stahl

Sony

Dagmar Leischow, RONDO Ausgabe 2 / 2007



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