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François Leleux

Zu den Sternen

François Leleux Mit seinen 36 Jahren hat der französische Oboist François Leleux schon so ziemlich alles gespielt, was für sein Instrument komponiert wurde. Doch wie er Guido Fischer gestand, wird er gerade bei Johann Sebastian Bach immer wieder schwach.

Mit vier Jahren liegt die eigene Zukunft eigentlich noch in weiter Ferne. Bei François Leleux hatte sie da hingegen schon begonnen. Als er sich bei einer kleinen Instrumentenschau im Konservatorium seiner Heimatstadt Roubaix nicht etwa in die Tasten- und Saitenstars verhörte, sondern in die Oboe, spürte er: Das ist mein Instrument. 32 Jahre später weiß Leleux natürlich längst, was ihn damals wohl so gepackt hat: „Die Oboe sorgt mit ihrer konischen Bohrung für diese spannungsvollen Vibrationen, die sehr berührend sind. Damit spricht die Oboe direkt die Seele an.“ Wenn man sich die Liste all der Komponisten ansieht, die es bislang ins Repertoire von Leleux geschafft haben, ist die Oboe tatsächlich ein vielseitig einsetzbarer Seelenfänger: Von den Solofantasien Telemanns über die quirligen Stücke des Paganini der Oboe, Pasculli, bis zu Poulenc, Penderecki und Kancheli reicht Leleux‘ solistische und kammermusikalische Bandbreite. Mit welch goldenem Atem er dabei zudem gesegnet ist, unterstreicht allein die Liste all seiner prominenten Musikerfreunde wie Pierre Boulez, Emmanuel Pahud, Tabea Zimmermann und Mariss Jansons.
Dazu hat sich aber inzwischen noch eine weitere Musikerpersönlich keit hinzugesellt, zu der Leleux eine ganz besondere Beziehung pflegt. Es ist die georgische Geigerin Lisa Batiashvili, mit der er verheiratet ist und gemeinsam in München lebt. Und da er eben auch „ihrem Talent nicht widerstehen kann“, hat Leleux mit ihr jetzt zum dritten Mal das Doppelkonzert für Oboe, Violine und Orchester von Johann Sebastian Bach eingespielt. Nach seiner Erstaufnahme 1997 mit Viktoria Mullova und neun Jahre später mit Akiko Suwanai. Damit hat sich aber nun nicht nur der Familienmensch Leleux einen privaten Wunsch erfüllt. Mit diesem Werk, wie überhaupt mit der Aufnahme „Rekonstruktionen und Bearbeitungen“, die neben zwei weiteren Konzerten Arrangements u.a. vom berühmten Choral „Jesus bleibet meine Freude“ versammelt, erweist er mit dem Chamber Orchestra of Europe Johann Sebastian Bach eine überfällig umfassende Reverenz: „Ob in den Kantaten oder in den Konzerten – Bach hat die Oboe geliebt. Der Oboenklang bei ihm ist im Gegensatz beispielsweise zu dem erdigeren von Händel viel luftiger und näher an den Sternen. Allein die Oboe in der Kantate ‚Ich steh mit einem Fuß im Grabe‘ führt direkt ins Paradies.“
So sehr sich Leleux da vor Bach auf die Knie wirft, so bleibt er gleichzeitig doch auch Pragmatiker. „Ein Stück ist nur ein Stück, um die Seele zu befreien. Das Gefühl des Interpreten ist genauso wichtig wie das Stück selbst. Und wenn ein Komponist ein Stück für mich schreibt, weiß ich, dass auch Bach seine Stücke für seine Musiker geschrieben hat. Man darf diese ganzen verstorbenen Komponisten nicht zu Heiligen machen, man muss sie respektieren, man muss sich Gedanken über ihre Werke machen – aber am Ende gelten nur die Ehrlichkeit und die Emotionen des Interpreten im Hier und Jetzt.“

Neu erschienen:

Bach

„Bleibet meine Freude“

Lisa Batiashvili, François Leleux, Chamber Orchestra of Europe

Sony Classical

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 2 / 2007



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