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Doktor Stradivari: Musik-Krimi

Folge 10: Das Fauré-Geheimnis

Die Todesumstände von Professor Gebhard sind rätselhaft“, sagte Kommissar Reuter. „Geht es denn wieder um Musik?“, fragte Doktor Stradivari.
„Es geht um Fauré“. Stradivari nickte. „Gabriel Fauré. Eines seiner berühmtesten Werke ist das ‚Requiem’. Eine Totenmesse, in der interessanterweise der dramatischste Teil fehlt. Der Anfangsteil des ‚Dies Irae’. Darin geht es um die Apokalypse.“
Reuter nickte. „Ah, ich verstehe. Das ergibt Sinn. Professor Gebhard war pensioniert und widmete sich der Musikforschung. Vor einiger Zeit sagte er in einem Interview, dass er in einer Pariser Bibliothek das ‚Dies Irae’, von dem Sie sprachen, vermutete. Er glaubte, Fauré habe es geschrieben, später herausgenommen, und die Partitur sei einzeln in irgendein Archiv geraten. Er wollte es unbedingt finden.“
„War er Musikwissenschaftler?“ Reuter schüttelte den Kopf. „Nein, er war Raumfahrtphysiker oder so was. Die Musik war ein Hobby und die Sache mit dem ‚Dies Irae’ vielleicht auch nur die fixe Idee eines Pensionärs.“ „Hat sie denn etwas mit seinem Tod zu tun?“
Reuter griff in die Aktenmappe, die vor ihm auf dem Tisch lag. In einer Klarsichthülle steckte der verbrannte Rest eines Papierblattes. Ein wenig war noch zu lesen: „8685 Fauré. Meine Entdeckung“.
„Gebhard wurde erwürgt“, erklärte Reuter. „Dann gab es ein Feuer in seiner Wohnung. Die Feuerwehr konnte fast nichts bergen. Nur diese Notiz des Professors. Sicher ist das eine Seite aus einem Tagebuch. Ich habe eine Theorie, was das bedeuten könnte. Die Ziffer ist vielleicht eine Bibliothekssignatur. Und wenn er schreibt, dass das seine Entdeckung sei, dann hat er die verlorene Partitur gefunden und vielleicht sogar erworben. Er hatte sie jedenfalls. Dann wollte jemand das Manuskript stehlen. Gebhard hat den Dieb überrascht, es kam zum Kampf, der Professor starb. Und um die Spuren zu verwischen, wurde das Feuer gelegt …“
Doktor Stradivari betrachtete noch einmal den Fetzen Papier. „Schöne Geschichte“, sagte er. „Und für solche Räuberpistolen um verschollene Partituren bin ich ja zu haben. Doch Sie liegen falsch, Herr Kommissar. Diese Zahl ist keine Bibliothekssignatur. Sie bedeutet etwas ganz anderes. Sie führt uns sozusagen in eine ganz andere Welt. Ob Gebhard mit seiner Notiz übrigens richtig lag, möchte ich auch bezweifeln.“
Reuter war baff. „Die vier Zahlen sagen Ihnen so viel? Dann erklären Sie mir doch, was Sie meinen, bevor wir noch mehr Zeit verschwenden.“ Worauf bezieht sich Gebhards Notiz? Was hat Stradivari mit seiner Äußerung gemeint?

www.oliverbuslau.de

Doktor Stradivari ermittelt - und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – Ihre Kontaktdaten nicht vergessen!
Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit NOTE 1 fünf Exemplare des Fauré-Requiems mit dem Choir of King’s College Cambridge unter Stephen Cleobury (in der neuen Rekonstruktion der Urfassung durch Marc Rigaudière und John Rutter). Einsendeschluss ist der 22. September.


Auflösung aus Magazin 3/2014:

Stradivari ertappte den „Amateurkontrabassisten“ im Gespräch. Offenbar hatte der Mann keine Ahnung von seinem Instrument: Anders als die Vertreter der Violin- Familie weist der Kontrabass auch bauliche Eigenheiten der Gamben-Familie auf. So werden – im Gegensatz zum zitierten Violoncello – seine vier Saiten nicht in Quinten, sondern in übereinander liegenden Quarten gestimmt, was sich wiederum direkt in den benötigten Griffen niederschlägt. Ein Umstieg vom Cello auf den Kontrabass ist also, wenn angestrebt, weitaus komplizierter, als es der Mann behauptet.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 4 / 2014



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