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(c) Achim Reissner

Junge Deutsche Philharmonie

Zukunft fest im Blick

Die in Frankfurt a. M. beheimatete Junge Deutsche Philharmonie sorgt seit jetzt genau 40 Jahren kontinuierlich für Frischzellenkuren im deutschen Orchester- und Ensemble-Betrieb. Ein Geburtstagsgruß von Guido Fischer.

In der aktuellen Ausgabe des Orchester- Magazins „Der Taktgeber“ zählt die Seite „Einsteiger & Aufsteiger“ zu den Klassikern. Sie informiert über den jüngsten Personalfluss bei der Jungen Deutschen Philharmonie, und der war im vergangenen März mal wieder äußerst umfangreich. Nach dem Probespiel, mit dem sich angehende Orchesterprofis um einen Platz bei der JDPh bewerben, konnten sich 35 neue Mitglieder gegenseitig beglückwünschen, es geschafft zu haben. Zeitgleich wurde 22 langjährigen Mitgliedern zum Sprung ins ersehnte Berufsleben gratuliert. So gehört die Violinistin Florentine Lenz mittlerweile zu den ersten Geigen bei den Münchner Philharmonikern. Und Philipp Löschau bläst ab sofort bei der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz auch das Kontrafagott.
Diese beiden Musiker haben ihr Ziel also genauso erreicht wie der Großteil der rund 2000 Mitglieder, die es in den letzten 40 Jahren an die Pulte der Jungen Deutschen Philharmonie geschafft haben. Für jeden der jungen Bewerber, die allesamt parallel an einer deutschen Musikhochschule studieren, war schließlich die mehrjährige Mitgliedschaft bei der JDPh die ideale Station, um nach ersten großen Erfahrungen im Orchestergefüge seinen Weg zu machen.
Dafür trifft man sich auch heute mehrmals im Jahr zu ausführlichen Proben, denen Konzerte im In- und Ausland folgen. Und weil die JDPh sich von jeher als ein Klangkörper versteht, der auf demokratische Mitbestimmung bedacht ist, übernehmen die Musiker nebenbei auch Verantwortung etwa in der Programmplanung. Mit diesem Konzept ging man bereits 1974 an den Start. Damals taten sich im Ruhrgebietsstädtchen Witten Musiker im Alter zwischen 18 und 28 Jahren zu einem Bundesstundentenorchester zusammen, aus dem schnell eines von Europas besten Jugendorchestern werden sollte. Und tatsächlich ist die 40-jährige Orchestergeschichte prallvoll nicht allein mit spannenden Begegnungen mit Top-Dirigenten (u. a. Ivor Bolton, Roger Norrington, Christophe Rousset) und Star-Solisten wie Sol Gabetta, Christian Tetzlaff und Carolin Widmann. Auch das breit gefächerte Repertoire, für das man nicht zuletzt mit vielen zeitgenössischen Komponisten wie Beat Furrer, Heiner Goebbels und Wolfgang Rihm zusammenarbeitet, gehörte von Beginn an zu den Trumpfkarten des Orchesters.
Obwohl stete Erneuerung hier oberstes Prinzip ist, gibt es doch immerhin eine feste Konstante. Es ist die Einrichtung des Ersten Dirigenten, der zugleich als Künstlerischer Berater fungiert. 1995 war es Lothar Zagrosek, der diese Doppelaufgabe übernahm. Nach knapp 20 Jahren wird Zagrosek im Rahmen des Festakt-Konzerts, mit der der JDPh zum 40. Geburtstag gratuliert wird, den Dirigentenstab nun an seinen Nachfolger Jonathan Nott übergeben. Und dass der Chef der Bamberger Symphoniker eine exzellente Wahl ist, konnte man schon mit der gemeinsamen Aufnahme von Mahlers 9. Sinfonie dokumentieren. „Es ist wunderbar, mit den jungen Musikerinnen und Musikern zusammenzuarbeiten, denn sie sind gierig nach Schönem und bereit, viel Energie zu investieren“, so Nott zu seiner Entscheidung, ab sofort seine musikalische Zukunft noch enger mit diesem Orchester zu teilen. Und das Beste daran? Dass davon recht bald auch die deutsche Orchesterlandschaft wieder profitieren wird.

Festakt zum 40-jährigen Bestehen – 13. Oktober, Alte Oper Frankfurt a. M.

Junge Deutsche Philharmonie, Die Deutsche
Kammerphilharmonie Bremen, Ensemble
Modern
Lothar Zagrosek & Jonathan Nott, Dirigenten/
Michael Quast, Moderation
www.jdph.de

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 4 / 2014



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