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Callas Forever

40 Jahre nach ihrem letzten Konzert (er)klingt Maria Callas besser als je zuvor: High Definition macht’s möglich.

Keine Frage, die Legende lebt. Während andere musikalische Gottheiten mehr oder weniger rasch nach ihrem Tod in Vergessenheit geraten oder zumindest nicht mehr als künstlerische Referenz dienen, ist die Anziehungskraft und Bedeutung von Maria Callas über die Jahrzehnte ungebrochen. Nach wie vor gilt sie als Bezugspunkt, muss sich doch jede halbwegs qualitätsvolle Sopranistin den ebenso nervigen wie dummen Vergleich mit ihr gefallen und sich fragen lassen, ob sie das Zeug zur zweiten Callas hat. Nach einem zweiten Karajan wird nicht Ausschau gehalten …
Die letzten öffentlichen Auftritte der Maria Anna Sofia Cecilia Kalogeropoulos liegen nun genau 40 Jahre zurück, 1974 begab sie sich mit Giuseppe Di Stefano auf eine große Abschiedstournee, die sie durch die USA, nach Kanada, Südkorea und Japan führte. Natürlich wurden etliche der Abende heimlich mitgeschnitten und einige auch als Raubkopien veröffentlicht. Ihre letzten offiziellen Aufnahmen entstanden allerdings schon fünf Jahre zuvor, als sie unter Nicola Rescigno eine Handvoll früher Verdi-Arien im Studio festhielt.
Damit endete eine 20 Jahre währende Aufnahmetätigkeit, die ihren Anfang 1949 in Turin mit einigen wenigen Arien nahm. Dazwischen liegen 26 komplette Operneinspielungen und ein Dutzend Recitals nebst einem zwischen Schmuckschatulle und Giftschrank changierenden Raritätenkabinett, nicht freigegebenes Material aus verschiedenen Aufnahmesitzungen, das erst in den späten 80ern, zum Teil sogar erst in den 90er Jahren veröffentlicht wurde.
Dies alles wurde jetzt einem High Definition Remastering unterzogen, mit dem man dank der viel höheren Abtastrate und Auflösung eine weitere klangliche Verbesserung erreichen, das Nonplusultra aus diesem Vermächtnis holen wollte. Dabei wurden diese Aufnahmen schon zweimal digital überarbeitet – als man sie erstmals auf CD herausbrachte und dann noch einmal zum 20. Todestag der Callas. Für diese neuerliche Auffrischung hat man aber nun nicht auf die in den vorherigen Prozessen abgespeicherten digitalen Daten, sondern auf die ursprünglichen analogen Mutterbänder zurückgegriffen. Denn diese unersetzbaren, aber vom Zahn der Zeit benagten Schätze sollten so gleichzeitig für die Zukunft gesichert werden.
Doch was ist von dem Ergebnis zu halten? Wie es in der Natur der Sache liegt, profitieren die Aufnahmen in unterschiedlichem Maß von diesem erneuten Remastering. Der Palazzo Maria ist nicht neu erbaut worden, aber da hat jemand die Vorhänge beiseite gezogen und Licht hereingelassen, die Fenster zum Durchlüften geöffnet und schließlich noch Staub gewischt und kleinere Reparaturen vorgenommen. Und damit befindet sich dieses prachtvolle Kunstwerk jetzt im – derzeit – bestmöglichen Zustand, um auch künftige Generationen mit seiner baulichen Raffinesse und seinem beeindruckenden Reichtum an architektonischen Details in seinen Bann zu ziehen. Da aber sicher viele ihre Sammlung beim letzten Klangtuning 1997 generalüberholt haben, bleibt abzuwarten, ob die Rechnung für den neuen Callas-Schatzmeister Warner aufgeht, mit dieser Box noch einmal ordentlich Eintrittsgelder für den Palazzo Maria zu kassieren.

Erscheint am 19. September:

Maria Callas – Sämtliche Studioaufnahmen Remastered (69 CDs + CD-ROM)

Warner

Michael Blümke, RONDO Ausgabe 4 / 2014



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