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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Supergau für Franz Welser-Möst. Der künftige Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper erlebte im Mai, wie der Kritiker Donald Rosenberg berichtet, in Cleveland ein Desaster. Im letzten Satz von Alban Bergs Kammerkonzert für Klavier, Violine und 13 Bläser kollabierte die Darbietung: Das Cleveland Orchestra, dessen Chef Welser- Möst seit 2002 ist, hörte auf zu spielen. Dies passierte erneut, nachdem Welser-Möst sich beim Publikum entschuldigt hatte und das Orchester neu hatte einsetzen lassen. Daraufhin drehte sich Welser-Möst wieder zum Publikum um sagte: „It worked this morning.“ Ähnlich versuchte es schon der scheiternde Hilfslehrer in den „Buddenbrooks“: „Und vorhin ging es noch so gut!“
Tenor Marcelo Álvarez will, wie aus Wien verlautet, angeblich nie wieder an der Wiener Staatsoper auftreten, nachdem bestehende Verträge mit ihm zugunsten eines Engagements von Neil Shicoff aufgelöst worden sind. Shicoff, ein Duz-Freund von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, hatte im Frühjahr bei der Bewerbung als Operndirektor sein Ziel knapp verfehlt und daraufhin sein Engagement in Salzburg abgesagt. In Wien singt er – ein Meisterstück inkonsequenten Handelns – nun umso mehr.
Lang Lang ist nicht schwul. Das sagte er, nach nicht abreißenden Gerüchten, bei einem Interview in Montréal.
Der amerikanisch-schwedische Dirigent Herbert Blomstedt (80) lebt seit Jahrzehnten als „Steuerflüchtling“ in Luzern. Wegen Zahlungsrückständen aus seiner Zeit als Chef der Staatskapelle Dresden (in den 70er Jahren) musste er Schweden verlassen. Dort verlangte man Einnahmen, die Blomstedt in der DDR versteuert hatte, noch einmal neu. Blomstedt ist so einer der wenigen bekennenden Steuerflüchtlinge in der Schweiz.
Der britische Dirigent, Organist und Cembalospieler Robert King ist in England wegen Unzucht mit Minderjährigen zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das berichten britische Medien. Zwischen 1989 und 1995 soll sich King gegenüber drei damals unter 16-Jährigen durch „indecent assault“ schuldig gemacht haben. King gründete 1980 das King’s Consort. Er arbeitete auch an zahlreichen Filmmusiken, z.B. „Fluch der Karibik“ und „Shrek 2“; zuletzt als Assistent von Hans Zimmer für den „Da Vinci Code“. Als Leiter der Internationalen Orgelwoche Nürnberg wurde er mit sofortiger Wirkung entlassen.
Sir Simon Rattle, seit fünf Jahren Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, hat ein skeptisches Resümee seiner bisherigen Zeit in Berlin gezogen. Er habe kein wirkliches Zwischenergebnis vorzuweisen, sagte er im Kulturradio des RBB. Auch ein Ziel mit dem bedeutendsten deutschen Orchester könne er nicht angeben. „Ich hoffe, dass die Musik die Antwort gibt. Eine andere Botschaft habe ich nicht.“ Zu Äußerungen einzelner Philharmoniker, er sei offenbar kein Dirigent, der besonders am Klang interessiert sei, zeigte er sich betroffen: „Ich bin traurig, dass man so etwas sagt.“ Vorgänger wie Furtwängler und Karajan bezeichnete er als „viel größere Dirigenten als ich es bin“.
Yo-Yo Ma, nach dem Tod von Mstislaw Rostropowitsch der wohl berühmteste Cellist der Welt, möchte nur einer von vielen Repräsentanten seines Instruments sein. Mit 51 Jahren, so sagte er in Manchester, interessiere ihn die Welt seiner Kinder im Grunde mehr als die Musik der Vergangenheit. Er habe gelernt, eine SMS zu verschicken, um mit Sohn und Tochter zu kommunizieren, und glaube, dass „dies die Welt ist, die wir verstehen müssen“.
Alte-Musik-Guru René Jacobs hält es für sein Erfolgsrezept, dass er immer frühzeitig die Proben leitet, während viele seiner Kollegen erst kurz vor der Premiere anreisen und die Vorbereitung von Assistenten erledigen lassen. Das sagte er in Berlin. Jacobs gehört zu den letzten Vertretern der historischen Aufführungspraxis, die es ablehnen, mit traditionellen Orchestern (auf neuen Instrumenten) zu arbeiten. „Man kommt einfach mit ihnen nicht weit genug“, begründete er seine Entscheidung. In dieser Diagnose würden ihm im Übrigen auch jene Kollegen Recht geben, die sich nicht danach richten. In Berlin bereitet Jacobs für 2008 eine szenische Aufführung von Händels „Belshazzar“ vor.
Wagnertenor Endrik Wottrich musste den Siegmund in der Bayreuther „Walküre“ abgeben. Wie die Bayreuther Festspiele mitteilen, wegen einer Bronchitis. Schon bei der Premiere der Wiederaufnahme unter Christian Thielemann hatte Wottrich seine „Nothung“-Rufe verröchelt, als sei deren wahre Bedeutung: „Ich kann nicht mehr!“ (so interpretierte es zumindest die Tageszeitung „Die Welt“). Einzelne Buhs wehrte der Sänger anschließend mit gewohnt überlegenem Siegerlächeln ab.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 4 / 2007



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