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Diana Damrau

Hoch, höher, Diana!

Diana Damrau hat es geschafft: Eine Karriere an der New Yorker Met ist für viele Sänger ein Ritter-schlag. Jetzt hat sich ein weiterer Traum erfüllt: Mit sensationell schwierigen Arien von Salieri, Righini und Mozart legt sie ihr halsbrecherisches Rezitaldebüt vor – und die Arien der Königin der Nacht klingen dabei beinahe wie leichtere Einsingstücke.

Mit hohen Sopranstimmen ist es so eine Sache – entweder, man begegnet den Hochtönern der Oper mit grundsätzlichem Misstrauen, oder man ist ihnen mit Leib und Seele verfallen. Diana Damrau gehört zu den Vertreterinnen dieses Faches, die selbst Kostverächter bekehren können: Mit natürlichem Spielwitz, einem riesigen Stimmumfang und einem faszinierenden Timbre hat sich die junge Sopranistin in die internationale Sängerelite katapultiert. Wie für viele Vertreterinnen des hohen Koloraturfachs war Mozarts Königin der Nacht hier die Starthilfe. Woher nur nimmt eine so zierliche und rundherum einfach nur reizende Frau die Kraft, um mit den gefürchteten hohen Fs der Partie nur so um sich zu werfen? »Die Königin ist eine großartige Partie«, meint Damrau, »aber auch ein echter Extremsport!« Ein Kurzstreckensprint quasi, dem sich die Sängerin nicht mehr allzu oft aussetzen wird.
Wir erreichen Diana Damrau zum RONDO-Gespräch in ihrem New Yorker Hotel während der Probenwoche für einen ganz besonderen Stunt: Bei den Vorstellungen der »Zauberflöte« an der Met wird sie im Dezember zunächst ihr Debüt als Pamina geben – und anschließend für weitere Aufführungen wieder, wohl zum letzten Mal, zu ihrer Paraderolle als Königin der Nacht zurückkehren:
Ein wohl beispielloser Wechsel zwischen zwei Rollen aus grundverschiedenen Fächern. Vor ihrem endgültigen Abschied von der Rolle hat sich Diana Damrau mit ihrem Arienrezital »Arie di bravura« einen Traum erfüllt und beide Arien der Königin der Nacht noch einmal gesungen. Dabei sind Damraudiese Stücke keineswegs die schwierigsten auf der spannenden CD: »Ich hatte der Plattenfirma Mozart und Salieri vorgeschlagen«, erzählt Diana Damrau. Antonio Salieri verfolgt sie durch ihre Karriere: Schon bei ihrem Würzburger Erstengagement sang sie eine Rolle in der »Cublai, gran Kahn di Tartari«-Oper des Mozartzeitgenossen. Im Dezember 2004 reüssierte die Damrau bei der Wiedereröffnung der renovierten Scala in Mailand mit der Titelrolle in Salieris »L’Europa riconosciuta« – und die große Arie der Europa ist auch der schwierigste Prüfstein auf ihrer neuesten CD geworden. Schier endlose Koloraturkaskaden, schließlich eine Kadenz mit einem brillanten hohen G: hoch, höher, Diana! Dass dies kein bloßes Studioprodukt ist, wird Diana Damrau im Frühjahr 2008 auf einer großen Tournee mit dem Programm des Rezitals unter Beweis stellen.
Der Auftrittskalender ist auch darüber hinaus prall gefüllt – schließlich hat sich Diana Damrau mit einer Vielzahl weiterer Rollen an wichtigen Häusern etabliert. So setzte sie in den vergangenen Jahren (seit 2002 arbeitet sie freischaffend) als Konstanze in Mozarts »Entführung« und Zerbinetta in Strauss’ »Ariadne auf Naxos« Maßstäbe und hat sich daneben auch das italienische und französische Fach erarbeitet. Für die kommenden Jahre stehen etwa die vier Frauen in »Hoffmanns Erzählungen« in Frankfurt und München an, an der Met wird sie als Donizettis Regimentstocher mit Juan Diego Flórez und als Lucia di Lammermoor auftreten. Die amerikani-schen Opernfans feiern Damrau nach ihrer funkensprühend witzigen
Rosina im »Barbier von Sevilla« bereits als Nachfolgerin von Edita Gruberova – schließlich weist das Repertoire beider Sängerinnen große Übereinstimmungen auf. Eines ist sicher: Mit Gruberovas anstehendem Thronverzicht im Koloraturfach ist Diana Damrau eine der aussichtsreichsten Kandidatinnen.
Claus Ambrosius

Neu erschienen:

Wolfgang Amadeus Mozart u.a.

Arie di bravura

Diana Damrau, Le cercle de l’harmonie, Jeremie Rhorer

Virgin/EMI

Rondo Autor, RONDO Ausgabe 6 / 2007



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