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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Alfred Brendel beendet seine Karriere. Der Grazer »Kleinen Zeitung« eröffnete er, dass er sein letztes Konzert im Dezember 2008 in Wien geben werde. Die Entscheidung nötigt Respekt ab, lässt Kritik an Brendels immer kleiner gewordenem Repertoire und am schwierigen Umgang des Pianisten mit der Öffentlichkeit verstummen. Interviewfragen ließ sich der Meister meist vorher einreichen, auf dass er die niedergeschriebenen Antworten verblüfften Journalisten ins Mikrofon diktieren konnte (sie mussten rückverschriftlicht werden). Die selbstironisch-witzigsten Antworten gab er sich meistens selbst. »Man muss sehr viele Schallplatten gemacht haben«, so wird er von James Levine zitiert, »um einige gute zu machen«.
Auch Mikhail Pletnev hat, wie Pianistenkollegen berichten, mit dem öffentlichen Klavierspielen aufgehört, um sich ganz dem von ihm gegründeten Russischen Nationalorchester widmen zu können. Was für ein Jammer!
Mezzosopranistin Agnes Baltsa erinnert sich an Karajan als den besten Zuchtmeister ihrer Karriere. »Karajan hätte uns geköpft, wenn wir uns wie Diven aufgeführt hätten«, sagte sie in einem Interview in Griechenland. »Er hat nie den Star gespielt, aber er hat uns gequält und gestresst. Nichts gegen Thielemann oder Abbado. Aber – mein Gott! – Karajan fehlt mir immer noch.« Sie selbst sehe sich in ihrem Beruf als »Exhibitionistin«. »Ich öffne mich und meinen Körper, wenn ich den Mund auftue. Ich bin zu Tode aufgeregt. Bis zwei Uhr Mittags geht’s mir sehr gut. Von da an denke ich nur noch: ›O Gott, o Gott!‹« In Bezug auf ihre eigene Stimme sagte sie: »Ich muss zugeben, ich bin kein Fan. Das ist eher eine Sache für Tenöre. Die hören sich gern. Ich nicht.«
Das Karajangedenkjahr, das in Salzburg mit einem Konzert unter Ivor Bolton eröffnet wurde, kommt anscheinend ungelegen. Kaum CD-Neuveröffentlichungen, wenige Alibikonzerte sowie lachende Erben, die sich anscheinend in der Kunst virtuosen Handaufhaltens üben. Wo sind all die Livemitschnitte geblieben, auf denen die Salzburger Festspiele, die Mailänder Scala und die Wiener Symphoniker ebenso wie die Wiener Philharmoniker sitzen müssen. Immerhin planen die Berliner Philharmoniker die Erstveröffentlichung des letzten (von zwei) Gastspielen von Glenn Gould bei den Berliner Philharmonikern (mit Beethovens drittem Klavierkonzert aus dem Jahr 1957). Das dann doch: eine Sensation.
Während sich Herbert von Karajan zu seinem 100. Geburtstag mit Wenigem zufrieden geben muss, wird Leonard Bernstein zu seinem 90. Geburtstag in New York mit einem üppigen Festival geehrt. Die New Yorker Carnegie Hall und das New York Philharmonic nennen ihr Fest schlicht: »Bernstein: The Best of All Possible Worlds« (24.9. bis 13.12.2008). Das Programm wird neben klassischer Musik auch Jazz, Musical, Film, eine Ausstellung und Podiumsgespräche umfassen. Weltklassegeiger Maxim Vengerov hat sich bei einem Sturz in der Dusche angeblich so starke Verletzungen zugezogen, dass er seine Konzerttermine aussetzen muss.
Nachruhm für die Bregenzer »Tosca«- Inszenierung von Philipp Himmelmann. Im neuen »James Bond« mit Daniel Craig soll ein Teil des Films vor dem großen Auge des Bühnenbildes von Johannes Leiacker auf der Seebühne spielen. Schon vor Jahren (anlässlich der Bregenzer »Maskenball «-Aufführung) kamen die Produzenten auf diese Idee. Dass es erst jetzt klappt, hat angeblich nichts mit der aktuellen Produktion, sondern nur mit dem Zeitpunkt der Dreharbeiten zu tun.
Die kanadische Popdiva Céline Dion (»Titanic«) möchte im Film gerne die Rolle der Maria Callas übernehmen (physiognomisch keine Unmöglichkeit). Zuvor sind in Montréal für Januar 2009 Auftritte mit dem Orchestre Symphonique de Montréal unter Kent Nagano geplant. Dabei, so ihr Manager, sei ein Ausfl ug von Dion in klassische Gefilde nicht auszuschließen. Bisher galt Dion als erklärte Hard-Rock-Liebhaberin.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 1 / 2008



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