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Die Erfolgsstory des UBS Verbier Festival Orchestra

Next Generation

Aus dem Nachwuchsensemble eines kleinen Ortes im Schweizer Wallis kommen immer wieder herausragende Musiker in die Spitzenorchester der Welt. Hinter dem Geheimnis steht unter anderem das kulturelle Engagement einer der größten Banken der Welt.

Den Mai 2008 werden Xiao Ming Wang und Christoph Koncz zeitlebens als wahren Glücksmonat in Erinnerung behalten. Denn für die zwei Violinisten hatten sich da gleich zwei Wünsche auf einen Schlag erfüllt. Beide erhielten sie die frohe Kunde vom festen Engagement bei einem Spitzenorchester – und das gleich jeweils in verantwortlicher Position: So gibt zukünftig der gebürtige Chinese Xiao Ming Wang als Konzertmeister beim Orchester der Oper Zürich den Ton an, während der aus Konstanz stammende Christoph Koncz ab sofort den Posten als verantwortlicher zweiter Geiger der Wiener Philharmoniker bekleidet.
Xiao Ming Wang und Christoph Koncz sind aber nur zwei von zahlreichen Glücklichen, die es dank eines einzigartigen Orchesterprojektes in die Belle Etage geschafft haben. Denn seit im Jahr 2000 das UBS Verbier Festival Orchestra (UBS VFO) gegründet worden ist, werden bei diesem Klangkörper die internationalen Talentscouts etwa der New Yorker Philharmoniker regelmäßig hellhörig und fündig.
Dass die Arbeit eines der mittlerweile weltbesten Jugendorchester ein derartiges Echo auslöst, macht Martin Engstroem, den Direktor des Verbier Festivals, mehr als stolz. Immerhin war es nicht nur die Idee, für das seit 1994 im schweizerischen Wallis stattfi ndende Verbier Festival ein eigenes Festivalorchester aufzubauen, dahinter steckte eine noch größere Vision: Man wollte aufstrebenden Musikern aus aller Herren Länder die Chance bieten, ausschließlich mit führenden Klassik-Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten. Und weil das Verbier Festival über acht Jahre lang in der UBS einen musikbegeisterten Sponsor zur Seite hatte, konnten diese Pläne auch sehr rasch umgesetzt werden. Blättert man allein in den Programmheften all der Konzerte, die das UBS VFO inzwischen in knapp 40 Ländern und vor 300.000 Zuhörern gegeben hat, gibt es kaum jemanden, mit dem man noch nicht musizieren durfte. Ob es nun Dirigenten wie Valéry Gergiev, Kurt Masur und Kent Nagano waren. Oder Solisten wie Thomas Quasthoff, Martha Argerich, Lang Lang und Joshua Bell. Ein besonderes Verhältnis besitzt das UBS VFO zu James Levine. Der amerikanische Stardirigent leitete 2000 das Debüt- Konzert des UBS VFO in Verbier. Seitdem steht er ihm als Ehrendirigent mit Rat und Tat zur Seite.
Da die Plätze in diesem erlauchten Orchesterkreis so begehrt wie rar sind, müssen selbst die Absolventen von führenden Konservatorien ein strenges Auswahlverfahren bestehen (allein 2008 bewarben sich fast 1.000 Nachwuchsmusiker für 53 freie Plätze). Hat man dann aber bei den weltweit anberaumten Vorspielterminen die strenge Jury überzeugt, ist der Weg nach Verbier frei: Anderthalb Monate lang erarbeitet man im Sommer mit den erfahrenen Stimmführern des Metropolitan Opera Orchestra sechs oder gar sieben Konzertprogramme, die zunächst beim Verbier Festival präsentiert werden, bevor man dann auf internationale Gastspielreise geht.
Über 600 Instrumentalisten aus 58 Nationen haben diese allerfeinste Orchesterschule bisher durchlaufen. Und jeder einzelne ist der beste Beweis dafür, was der Hamburger Bratschist Robert Mende einmal auf den Punkt gebracht hat: »Es ist das Orchester, das uns junge Musiker am besten auf die berufliche Zukunft vorbereitet.«

Reinhard Lemelle, RONDO Ausgabe 4 / 2008



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